Full text: Volume (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

92 vr. Gustav Hartmann,
er sich schon vermöge seines Eigenthums verschaffen kann. Da-
her denn auch, in Anbetracht der regelmäßigen Zweck losigkeit
des Gegentheils, die alte sprüchwörtliche Regel: „nulli ras sua
servit“ *). Aber wie, wenn an einem Grundstück, das wir zu
Gunsten eines andern total eigenen Grundstücks in gewisser
Richtung uns schlechthin unterworfen wünschten, eine vielleicht
auch noch so geringe Eigenthumsquote einem Dritten gehören
sollte? Ist nicht hier ein ganz ausreichender Zweck, ein durch-
aus genügendes Interesse gegeben als Grundlage für ein Ser-
vitutrecht an der, wenngleich zum weitaus größten Theile eige-
nen Sache des Interessenten?
In der That trägt daher auch der nämliche Paulus, von
dem uns in kr. 26 d. 8. p. u. 8, 2 die Worte überliefert sind:
„ln re communi nemo dominorum jure servitutis neque
facere quicquam invito altero potest, neque prohibere quo-
minus alter faciat, nulli enim res sua servit“; eben dieser
nämliche Paulus trägt in dem nämlichen XV. Buch ad Sabi-
num fr. 30, § 1 eod. kein Bedenken, trotz des obigen Schluß-
motivs unter Umständen eine Servitut an der partiell eigenen
Sache anzuerkennen: „Si partem praedii nanctus sim, quod
mihi aut cui ego serviam, non confundi servitutem pla-
cet, quia pro parte servitus retinetur. Itaque si praedia
mea praediis tuis serviant et tuorum partem mihi et ego
meorum partem tibi tradidero, manebit servitus. Item
ususfructus in alterutris praediis adquisitus non interrum-
pit servitutem.“
Allerdings kann nach Römischem Recht an einer gemein-
schaftlichen Sache dem Miteigenthümer zu Gunsten eines an-
dern Grundstücks eine Servitut nicht erst bestellt werden. Dieser
Satz erklärt sich aber aus einem rein formalen Grunde, welchen
i) Vgl. überhaupt Elvers, die Römische Servitutenlehre, 1856,
§ u: „Die Unmöglichkeit der Servitut an eigener Sache", S. 125—133.

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