Full text: Volume (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

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Dr. Gustav Hartmann,

wohl hineinzwängen läßt. Unterschätzen aber darf man ande-
rerseits die Gefahren nicht, welche in einer auf das praktische
Leben sich beziehenden Wissenschaft, wie der vom Recht, die
Ueberlieferung ungenauer und ungeprüfter Definitionen mit sich
bringt. Werden sie erst Gemeingut weiterer Kreise: so kann es
in der That nicht ausbleiben, daß diese letztem ihr Handeln und
das Maß ihrer Ansprüche abgrenzen und bestimmen nach dem
Muster der Definition. Auch innerhalb des Kreises der Beru-
fenen selbst gewinnt die ungenaue Formel leicht eine weithin
bestimmende Kraft. Dies geschieht, indem sie zur Grundlage
gemacht wird von Folgerungen, welche den Stoßseufzer „surn-
mum jus summa injuria“ hervorzupressen bisweilen geeignet
find, und welche der auf die Dauer freilich unaufhaltsamen
Fortentwickelung des Rechts aus den treibenden inneren Zwecken
des Gemeinlebcns Hemmnisse in den Weg legen.
I.
Unter den Grundbegriffen unseres Privatrechts ist keiner
mehr als der des Eigenthums einer solchen abstrakt-forma-
listischen Behandlungsweise ausgesetzt gewesen. In Rechtswis-
senschaft, Rechtsphilosophie und Gesetzgebung ist vorherrschend
bis in die neueste Zeit die ganz uniforme Auffassung alles
Eigenthumsrechts als „der vollkommenen rechtlichen Herrschaft
über.einen körperlichen Gegenstand" (Puchta §144, Arndts
§ 130), oder als eines grundsätzlich J) unbeschränkten und un-
1) Selbst A. Wagner, in der Neubearbeitung von Rau's politi-
scher Oekonomie: sä. 9. Theil l, Grundlegung 1876 , kommt bei der, an
mancherlei anregenden Gesichtspunkten reichen, volkswirthschaftlrchen und
sozialrechtlichen Kritik des Eigenthumsbegriffs S. 431 fg. unwillkürlich wie-
der zurück zu der Formel von der „vollkommenen rechtlichen Herrschaft
einer Person über äußere Güter", freilich mit dem die Vollkommenheit
wieder aufhebenden Zusatze „vorbehaltlich der mit dieser Herrschaft gesetz-
lich verbundenen Beschränkungen und Verpflichtungen". S. 504.

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