Full text: Volume (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

Ungewißheit des Gläubigers als Depositionsgrund. 45
biger bezw. der Vertreter der Konkursmasse des letzteren er-
hebt gleichfalls Ansprüche auf die cedirte Forderung. Schon
an sich entspricht es der Natur des durch Forderungs-Abtre-
tung entstandenen Rechtsverhältnisses, daß dem Schuldner,
um nicht der Gefahr einer doppelten Zahlung ausgesetzt zu
sein, besondere, durch die aequitas gebotene Sicherungs-
maßregeln zur Seite stehen, welchen der gemeinsame Ge-
danke zu Grunde liegt, daß derselbe die aus der Zweifelhaf-
tigkeit der Person des Gläubigers hervortretende prozessuali-
sche Gefahr nicht zu tragen habe. Wie er nur nach vor-
gängiger Sicherstellung gegen die Ansprüche eines weiteren
Gläubigers Zahlung zu leisten braucht'), so kann er durch
i) Dieser Gedanke und die vorhergehende Ausführung von der „Na-
tur des durch Forderungs-Abtretung entstandenen Rechtsverhältnisses"
verdanken ihre Entstehung der mehrfach erwähnten Abhandlung B ä h r 's
(vergl. a. a. O. besonders S. 457). Dabei ist aber zweierlei übersehen
worden,
a.) daß nach Bähr 's Ausführungen die „prozessualische Gefahr" nur
dazu führt, den Kläger zur Kautionsbestellung anzuhalten, keineswegs
überall zur Deposition. (Man vergleiche die von Bähr S. 454 — 457
aufgeführten Fälle.);
b) daß nach Bähr's Ausführungen die „vorgängige Sicherstellung"
im heutigen Rechte durch eine notarielle Cession gewährt wird (vergl.
a. a. O. § 17 § 18 insbes. S. 463). Hierdurch hat der Cessionar dem
debitor cessus sein Recht auch „im Verhältniß zum ursprünglichen Gläu-
biger" nachgewiesen, und durch Produktion, event. Ueberlieferung der no-
tariellen Cessions-Urkunde gewährte der Cessionar, ganz im Sinne B ä h r 's,
dem Schuldner die nöthige Garantie, indem er ihn in den Stand setzte,
den ursprünglichen Gläubiger mit einer exceptio doli (Du hast cebitü)
zurückzuweisen.
Uebrigens gehört Bähr, wie oben bereits bemerkt und wie aus meh-
reren Aeußerungen in seiner Abhandlung hervorgeht, keineswegs zu den
Anhängern der von mir vertheidigten Ansicht. So sehr man die Ver-
dienste Bähr's, welche er sich durch seine Untersuchungen um die Ces-
siortslehre erworben hat, anerkennen muß, so wird man doch bezweifeln
dürfen, ob seine Berufung auf „die Praktiker alten Schlages", welche die
Depositiou gestatteten, weil der Schuldner seinen Gläubiger nicht erkannt

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