Full text: Volume (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

Ein Beitrag zur Lehre vom Beginn der Verjährung. 481
die' Erklärung Windscheid's *), daß die Verjährung bei den
zweiseitiges Verträgen auch vor der seitens des Klageberechtigten
geschehenen Erfüllung läuft, weil es hier in des Gläubigers
Macht ftehe und von ihm verlangt werden könne, daß er die
Einrede beseitige, dürfte nicht völlig befriedigen. Daß der
Gläubiger manches Mal zur Erfüllung seiner Gegenleistung nicht
im Stande ist, liegt aus der Hand, und auch der Umstand,
daß von ihm die Prästation dieser Gegenleistung verlangt werden
könne, trifft hier nicht durchweg zu, hiernach müßte z. B.
die Klage des Miethers, welcher ja das Recht hat eine Vor-
leistung des Dermiethers abzuwarten, vorher also keineswegs
auf Zahlung belangt werden kann, für den Fall, daß der Ver-
miether die Vorleistung unterläßt, unverjährbar sein. Der
Grund jenes Verjährungsbeginnes liegt m.E. allein darin, daß,
wie überall bei der Auslegung von Vertragswirkungen, so
auch hier bei Beantwortung der Frage, ob die Klageforderung
aus dem Geschäfte eine sogleich wirksame oder eine noch suspen-
dirte ist, die Absicht der Parteien entscheidend sein muß. Diese
Absicht geht aber, wenn keine besondere Nebenbestimmung bei-
gefügt ist, auf eine sofortige Verwirklichung des Vertrags Zug
um Zug. Das also gerade, was die Forderung verjährbar,
weil bei längerem Bestehen gefährlich macht, d. i. die Bewe-
gung innerhalb des Verkehrslebens, welche sie hervorbringt, soll
hier sofort eintreten, während diese Wirkung, falls die Parteien
sie auch nur potestativ bedingt haben, vorläufig in das Unge-
wisse gestellt sein soll. Ist die Parteiintention aber eine der-
artige, so kann es daraus nicht ankommen, daß dieselbe mög-
licher Weise aus irgend welchen nicht erwarteten, jedenfalls aber
nicht bei dem Vertragsabschlüsse erwünschten Gründen eine Stö-
rung erleidet ; denn nur ausnahmsweise wird, wie bekannt ist.

1) Pand. l ß. 109 Anm. 3 4. Aufl. S. 316.

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