Full text: Jahrbücher für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

Ein Beitrag zur Lehre vom Beginn der Verjährung.

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rung vor der wirklichen Kündigung nicht beginnen. In dieser
soeben aufgestellten Regel ist aber auch fernerhin noch hervorzu-
heben, daß sie den sofortigen Verjährungsbegmn wegen ander-
weitiger Wirkungen der Kündigung nur dann aufgeschoben
wissen will, wenn diese Wirkungen nach dem Vertrage eintreten
sollen. Treten dagegen nur zufällig in Folge besonderer Ur-
sachen nach der Kündigung derartige sonstige Folgen ein, z. B.
wenn der Gläubiger einen Dritten etwas für den Fall der Kün-
digung seiner Forderung versprochen hat, so kann diese fremde,
neue Obligation begreiflicher Weise auf die Beurtheilung der
hiervon unabhängigen kündbaren Forderung keinen Einfluß
haben.
Es ist zweifelhaft, ob nicht heutzutage die Verjährung des
verzinslichen Darlehns von einer wirklich erfolgten Kündi-
gung abhängt. Man nimmt nämlich vielfach an, daß bei diesem
Geschäfte Haupt- und Zinsversprechen nicht zu trennen sind,
und daß das Geschäft als ein einziges zweiseitiges Geschäft,
nämlich als Kapitalsmiethe (Nichtrücksorderung des Kapitals
gegen Zinszahlung) auszusassen istl). Diese Auffassung ist frei-
lich unrömisch, allein sie entspricht den Parteiintentionen und,
da es sich m. E. hier um dispositives Recht handelt, so wird
man sie gelten lassen müssen. Nach dieser Auffassung erscheint
aber der Verzicht auf ferneren Zinsgenuß durch Kündigung des
Gläubigers als eine Wirkung desselben Vertrages, aus welchem
auch die Kündigungsbefugniß entspringt, und die Sache verhält
sich dann genau so wie bei der Kündigung der Miethe durch
den Vermietber. Trotzdem wird man auch noch heutzutage bei
dem kündbaren verzinslichen Darlehn die Verjährung schon von
dem Augenblicke ab beginnen lassen müssen, in welchem die erste
Zinszahlung ausgeblieben ist; denn Justini an hat dieses aus-
i) Vgl. z. B. Förster, Theorie und Praxis des heut. qem. pr. Pri-
vatrechts Bd. 2 2. Ausl. S. 239.

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