Full text: Volume (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

Ein Beitrag zur Lehre vom Beginn der Verjährung. 475
verhält es sich nicht anders. Man darf bei diesen nicht sagen,
daß ja hier jene Möglichkeit der Beunruhigung des Rechtslebens
dadurch in die Hand des Gläubigers gelegt sei, daß er die Be-
dingung erfüllen und hierdurch den Anspruch Hervorrufen kann.
(Diese irrige Erwägung ist es auch, auf welche sich das viel-
besprochene drocardicon: „actioni nondum natae toties prae-
scribitur, quoties nativitas est in potestate creditoris“
gründet.) Es wird dabei übersehen, daß. sobald der Gläubiger
seine Forderung nicht anders erwerben kann als durch einen
Entschluß, welcher noch andere Wirkungen in sich birgt, als
diejenige, eine bloße Ausübungserklärung zu sein, es vor jenem
Entschlüsse überhaupt noch ungewiß ist, ob der Gläubiger sich
zu demselben aufraffen wird, weil ihn allerhand Erwägungen
hiervon abhalten können. Dem Bestreben des Gläubigers sich
die Forderung zu verschaffen stehen vielleicht andere Motive für
die Nichtvornahme der Bedingungshandlung gegenüber und
halten jenem völlig das Gleichgewicht. So war z. B. die Rück-
forderung der dos im römischen Rechte durch den Entschluß zu
einer Scheidung bedingt, einen Entschluß, gegen welchen so
viele Beweggründe zu sprechen pflegen, daß sicherlich die Aus-
sicht auf die dos allein nur selten den Ausschlag zu Gunsten der
Scheidung zu geben vermocht haben mag. Wenn ich ferner z. B.
Jemandem etwas für den Fall verspreche, daß er eine üble An-
gewohnheit ablegt, so wird vielleicht die Hoffnung aus den Ge-
winn in seiner Seele einen Kampf gegen seine Triebe eröffnen,
welcher möglicher Weise mit deren Besiegung endet, dessen Aus-
gang aber vorher noch ungewiß ist. In allen solchen Fällen ist
allerdings die nativitas der actio in potestate creditoris, aber
der Seelenzustand des Gläubigers macht die Ausübung dieser
potestas nicht weniger ungewiß, als wenn sie kasuell bedingt
wäre. So lange also jener Widerstreit innerhalb der Seele des
Gläubigers dauert, so lange ist die Gefahr, daß dem Gläubiger
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