Full text: Volume (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

Ein Beitrag zur Lehre vom Beginn der Verjährung. 459
rungen herauszubilden, so daß sich die Kaiser genöthigt glaubten,
diesem Verfahren einen Hemmschuh anzulegen, welchen dann
später Theodosius beseitigt hat. Man muß also, um das
Verjährungsinstitut zu verstehen, das Rechtsleben, aus welchem
es herausgewachsen ist, als ein Ganzes betrachten und man
braucht sich nur das Theodosische Gesetz mit seinen Wirkungen
aus demselben hinwegzudenken, um deutlich aus den nachtheili-
gen Folgen, deren Eintreten man für den Fall seines Verschwin-
dens voraussehen kann, den Zweck des Institutes zu erkennen.
Seine Wirkung kehrt sich gegen die Klagerechte, d. s. die Befug-
nisse eines Rechtssubjekts von einer andern Person eine bestimmte
Leistung zu erzwingen *). Die eine Art dieser Rechte, die acti-
i) Vgl. oben S. 454 Anm. 2. Auf eine vollkommene Erörterung
des Wesens der actio kann nicht eingegangen werden, weil es hier nicht
in jeder Beziehung in Betracht kommt. Nur anmerkungsweise sollen einige
Punkte angedeutet werden, welche für die Beantwortung dieser brennenden
Frage nicht unwesentlich sein dürften:
1. Bei der Feststellung des Begriffes der actio sollte man die Befugniß
der dinglich Berechtigten, gegen einen jeden etwaigen Verletzer ihres Rechtes
zu klagen, gänzlich außer Acht lassen. Dieses Recht, bei welchem die Per-
son und die Leistung unbestimmt ist, ist ein solcher vager und praktisch
völlig werthloser Begriff, daß man ihn nicht mit der actio in personam,
bei welcher Schuldner und Leistung feststehen, zusammenstellen darf. Die
Römer waren sicherlich weit entfernt davon bei ihrem jus persequendi ju-
dicio quod sibi debetur an eine solche hohle Abstraktion zu denken.
2. Ueberhaupt muß man bei der Frage nach der Identität des Rechtes
und der actio von vorn herein die dinglichen und die persönlichen Rechte
von einander unterscheiden. Bei den ersteren kann die actio ihre eigenen
juristischen Schicksale haben, z. B. eedirt werden oder verjähren, ohne daß
das Recht selbst davon berührt wird, bei den letzteren m. E. nicht. Bei
diesen also ist die aetio ein „Ausdruck", bei jenen ein „Ausfluß" des
Rechts.
3. Diese begriffliche Selbstständigkeit der actio in rem gegenüber dem
jus in re ist nur eine rein juristische. Vom ökonomischen Standpunkte
aus sind sie identisch; in keinem Vermögensinventar wird man eine actio
in rem, auch wenn sie schon entstanden ist, noch neben dem jus in re,
welches sie schützt, als einen besondern Vermögensgegenstand aufführen.

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