Full text: Volume (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

Ein Beitrag zur Lehre vom Beginn der Verjährung. 457
halt, welcher unter ihrer täuschenden unbestimmten Hülle liegt,
erst herausschälen. Als ein solches Mittel bietet sich aber hier in
erster Linie der legislatorische Zweck des Verjährungsgesetzes dar.
lieber die richtige Auffassung desselben herrschen sreilich getheilte
Ansichten. Insbesondere sieht man oft in dem Institute eine
Strafe der Nachlässigkeit des Gläubigers x). Man findet hierbei
einigen Anhalt in byzantinischen Kaiserkonstitutionen, welche in
gewohnter Weise der Verjährungsvorschrift eine moralisirende
Ausschmückung geben. So sagt Valentini an in seiner no-
vella XXVI Quis ferat institui jurgia, quae a viet proavi
nescierunt? Auch Theod osius II schob die Wirkung seiner
vielfach citirten Konstitution um zehn Jahre auf, ne qua otioso
nimis ac desidi querimonia relinquatur. Iuftinian end-
lich sagt in der est. 2 Cod. de annali except. 7, 40. Ut per-
fectius omnibus consulamus et nemini absentia vel poten-
tia vel infantia penitus adversarii noceat, sed sit aliqua
inter desides et vigilantes differentia, und noch deutlicher
in der folgenden cst. 3: quum contra desides homines et sui
juris contemtores odiosae exceptiones oppositae sunt. Aus
solchen Redensarten darf man keine praktischen Folgerungen
ziehen^), wenn man sie ernst nähme, so würde man in einer
1) Besonders betont Demelius Untersuchungen aus dem röm. Ci-
vilrecht S. 103 diesen Gesichtspunkt und will in demselben einen Unter-
schied zwischen der theodosischen und der vortheodosischen Verjährung erblicken
(S. 6i ff. vgl. S. 458 Anm. 3). Auch v. Savigny (System Bd. 5
S. 292) legt auf die Nachlässigkeit des Gläubigers ein übergroßes Ge-
wicht, indem er hervorhebt, daß der Gläubiger dann nicht nachlässig sei,
wenn er eine Leistung, welche ohne seine besondere Aufforderung vom
Schuldner nicht erwartet werden soll, nicht eintreibe. Allein gerade in solchen
Fällen ist doch vielmehr seine Nachlässigkeit eine besonders große. Gegen
die übermäßige Betonung des Gesichtspunktes der Nachlässigkeit erklärt sich
neuerdings auch Zrodlowsky, die Verjährung nach österreichffchem
Rechte. Prag 1878 S. 39 Anm. 3.
2) So insbesondere auch Thon, Ztschr. f. Civ. u. P. Bd. 8 S. 6.
Vgl. auch v. Savigny, System Bd. 5 S. 270.
XVII. N. F. V.

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