Full text: Volume (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

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Dr. Rudolf Leonhard,

ten Meinung im Widerspruche zu stehen scheint, nämlich der
lex 48 dig. de verb. oblig. 45, 1.
Si decem, quum petiero dari? fuero stipulatus, ad-
monitionem magis, quo celerius reddantur et quasi sine
mora, quam conditionem habet stipulatio; et ideo, li-
cet decessero prius, quam petiero, non videtur defe-
cisse conditio.
In dieser letzten Stelle steht es klar ausgesprochen, daß
überall da, wo eine Forderung aus Kündigung des Gläubigers
gestellt ist, die Forderung eine unbedingte ist. Die erste Stelle
dagegen sagt Folgendes über das von einem Freigelassenen dem
Patrone gegenüber abgegebene Stipulationsversprechen der Lei-
stung von operae:
erstens, es sei absurd zu glauben, daß hier zu einer an-
dern Zeit eine Pflichterfüllung geschuldet werde, als, quum
patronus poposcerit, d. h. also nach der Willenserklärung des
Patrons, die Forderung ausüben zu wollen,
zweitens, dabei sei es gleichgültig, ob die Worte, quum
poposcerit, der Stipulation eingefügt seien oder nicht, diese
Worte seien selbstverständlich und somit nichts als eine conditio
tacita,
drittens, es verhalte sich nämlich mit dem Versprechen
der operae anders, als mit andern Dingen; denn diese operae
seien nichts Anderes, als eine officii praestatio.
Aus diesem dritten Satze folgert nun D e m e l i u sx), daß
der zweite Satz der Stelle bei andern Forderungen wegfällt,
d. h. daß bei diesen der Vertragsbeisatz, quum poposcerit, keine
conditio tacita, sondern eine wahre Bedingung sei, es werde
also von diesem Zusatze hier das Gegentheil desjenigen gesagt,
was die lex 48 dig. cit. 45, 1 über die Klausel „quum pe-
tiero" äußere.

i) Untersuchungen S. 179 ff.

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