Full text: Volume (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

Kritisch-exegetische Beiträge zur Lehre vom Besitze. 437
sicherlich dann haftet, wenn er propter contumaciam die Na-
turalrestitution verweigert. Paulus spricht nur vom non teneri
propter culpam. Ja, ich möchte sogar die culpa lata auch
hier dem dolu8 gleichftellen *). Es wird also nach römischem
Rechte der siegreiche Erbe, salls der Beklagte die Naturalrestitu-
tion der vom Erblasser vi oder clam in Besitz genommenen
Sachen durch contumacia, dolus oder lata culpa vereitelt,
sein Interesse an der Restitution durch jusjurandum in litem
sestzustellen haben. —
In diesem Sinne hat also allerdings die Irereditatis pe-
titio die Funktion der possessorischen Interdikte-).
1) cf. 1. 2 Cod. de in lit. iur. 5, 53.
2) Beiläufig mag hier noch eine andere Frage aus der Lehre von der
II. P. berührt werden. Es ist bekanntlich streitig, ob als possessor pro
possessore auch derjenige der H. p. hafte, welcher sich, unter Berufung auf
einen Rechtsanspruch auf den Besitz, eigenmächtig in den Besitz von Nach-
laßstücken gesetzt hat. Hierbei scheint nicht beachtet zu sein l. l §. 4 D.
quod legar. 43, 3. Quia autem nonnunquam incertum est, utrum quis
pro legato an pro herede vel pro possessore possideat, bellissime Arria-
nus scribit, hereditatis petitionem instituendam et hoc interdictum red-
dendum, ut, sive quis pro herede vel pro possessore sive pro legato pos-
sideat, hoc interdicto (hoc interdicto dei. M.) teneatur, quemadmodum
solemus facere, quotiens incertum est. quae potius actio teneat: nam
duas dictamus protestati, ex altera nos velle consequi, quod nos contingit.
Darnach scheint mir die Frage entschieden verneint werden zu müssen.
Arndts, Pand. §. 531 Anm. 6, der das Gegentheil behauptet, sagt von
der hier vertheidigten Ansicht: „Darnach würde das Pandektenrecht noch an
einem praktisch sehr fatalen Mangel leiden (nämlich, daß ein Occupant von
Erbschaftssachen durch das Borgeben, Eigenthümer zu sein, den Erben in
die Lage versetze, als Vindikant das Eigenthum des Erblassers beweisen zu
müssen) in Folge dessen, daß die Römer nicht dazu fortgeschritten sind,
der hereditas jacens auch Besitzrecht beizulegen, und wäre vollends unwahr,
was Jhering ausführt, daß bezüglich der Nachlaßsachen die h. p. die Funk-
tion der possessorischen Interdikte übe." Es ist aber nicht zu vergessen, daß
jene possessorische Funktion der H. p. nur gegenüber dem possessor pro
herede oder pro possessore wirkt. Das aber ist doch auch schon etwas, zumal
da als possessor pro possessore auch derjenige gilt, der wissentlich auf einen
nichtigen Singulartikel sich beruft, was freilich der Kläger nachzuweisen Hat.

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