Full text: Volume (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

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Dr. A. Ubbelohde,

so wird wegen der damit konstatirten Mora des Besitzers jene
Einrede nur dann überhaupt zugelassen, wenn sie zugleich dahin
geht, daß auch bei rechtzeitiger Restitution das Objekt dem Er-
ben verloren gegangen sein würde. Es gründet sich also der
Anspruch des Erben gegen den bonae fidei possessor ebenso
wenig aus dessen Culpa, als sein Anspruch gegen den rnalae
fidei possessor auf dessen mala fides. — Und endlich noch:
quia nec hic debet has res retinere. Francke saßt die
Worte licet teneatur als Parenthese und bezieht das retinere,
seinem Sinne entsprechend, aus die beim praedo noch vorhan-
denen Sachen. Daß alsdann aber unser Satz mindestens völ-
lig müssig erscheint, hat Fra ncke sich natürlich nicht verbergen
können. „Wenn ein bonae fidei possessor diese Sachen her-
ausgeben muß, so versteht es sich freilich ganz von selbst, daß
auch der malae fidei possessor sie nicht behalten darf." Weit
anstößiger noch ist die Auffassung der Glosse. Sie versteht un-
fern Satz von der Restitutionspflicht auch für verlorene Sachen.
Völlig unbefangen erläutert sie das retinere: sive habet vel
non habet. Hiernach sagt der wortkarge Paulus also gar:
Der praedo muß restituiren, weil er restituiren muß. Will nran
auf dem Boden der herrschenden Auffassung dieser unaussteh-
lichen Tautologie entgehen, so bleibt nichts übrig, als, im gera-
den Gegensätze zu Francke, unfern Satz als Begründung des
unmittelbar vorhergehenden Ausspruches: licet hic propter
culpam non teneatur — zu nehmen. Dabei ist selbstver-
ständlich jener Ausspruch auf die Haftung des praedo für Casus
zu beziehen. Wie traurig nur, daß hierbei retinere gerade als
Zurückbehalten verlorener Sachen zu verstehen ist!
Damit, meine ich, ist die Unhaltbarkeit der herrschenden
Erklärung genugsam dargethan. Ihr Grundirrthum liegt in
dem Gegensätze, welchen sie zwischen dem possessor der Worte:
immo — nomine — und dem praedo des folgenden Satzes
annimmt.

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