Full text: Volume (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

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Dr. Jos. Köhler,

wenn auch zehnfach zur Leistung bereit, ohne Hülfe. In die-
sen Fällen soll nun die Deposition aushelfen.
I 11 §.99 „In allen Fällen, wo die Uebergabe ohne
Schuld des Verkäufers aufgehalten wird, kann derselbe von aller
Verantwortung gegen den Käufer dadurch, daß er die Sache
zur gerichtlichen Aufsicht und Verwahrung übergibt, sich be-
freien". Vgl. auch die oben eit. Stellen über die Deposition.
So wird denn die Deposition als ein Mittel erachtet, um dem
Schuldner Abhülfe zu bieten, wo ihm die Moralehre keine Ab-
hülfe bietet, Koch 1 S. 370, Bornemann II S. 328 III
353 sg.; das stärkere Mittel, weil aus Rücksicht für den Gläu-
biger das schwächere Mittel versagt bleibt! Gewiß , eine wenig
empfehlenswerthe Konsequenz.
Man kann diesem System eine gewisse Folgerichtigkeit nicht
absprechen; schwerlich wird man aber diese Konsequenzen bil-
ligen, schwerlich ein Prinzip, welches diese Konsequenzen aus
sich erzeugt.
§. 15.
Nunmehr noch ein Wort an die Verfasser des deutschen
Zivilgesetzbuches. Aus der obigen Darstellung gibt sich die Auf-
gabe der Gesetzgebung in dieser Materie auf's Klarste. Es ist
nachgewiesen worden, daß eine Reihe von Problemen vorliegt,
bei welchen die Wissenschaft nur die Postulate des Rechts bezeich-
nen kann, während es Sache der Gesetzgebung ist, die den je-
weiligen Kulturverhältnissen, Derkehrsanschauungen und Lebens-
übungen entsprechenden Mittel zu finden, um diesen Postulaten
zu genügen. Manche dieser Postulate sind schon von früheren
Gesetzgebungen in ihrer Art berücksichtigt worden, andere harren
noch der Berücksichtigung. Hier verständnißvolt einzugreifen, ist
die schwere, aber dankbare und fruchtbringende Aufgabe des Ge-
setzgebers , und wir hoffen, daß dieselbe in mustergültiger Weise
gelöst werden möge.

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