Full text: Volume (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

Annahme und Annahmeverzug.

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schaft kund zu geben, Lewis, IS. 194. Alles dieses beruht
aber nicht auf einem Satze der Moralehre, sondern auf dem
Inhalte der konkreten Obligation ; auch gilt es nicht allgemein,
nämlich dann nicht, wenn der Gläubiger bestimmt erklärt hat,
daß er '.die Leistung nicht annehme. Hier ist es auch ohne wei-
tere Schritte des Schuldners gewiß, daß der Grund der Nichter-
füllung am Gläubiger liegt, sofern nur der Schuldner vor die-
ser kategorischen Annahmeweigerung das gethan hatte, was ihm
oblag und nicht selbst durch Bertragswidrigkeit die Annahme-
verweigerung motivirt und gerechtfertigt hat ; denn es wäre
gewiß nicht nur ridikül, sondern es wäre eine Vergeudung von
Natur- und Menschenkräften, dem Schuldner zuzumuthen, daß
er trotzdem und unnötigerweise die weitern Schritte thue. Oder
soll etwa der Architekt, nachdem ihm der Bauherr kategorisch
abgeschrieben hat, nichtsdestoweniger pro korma mit ein paar
Dutzend Arbeitern und Gesellen, mit Schaufel, Karst, Hacke
und mit ein paar Steinfuhren an Ort und Stelle einrücken, um
so bewaffnet eine offizielle Abwehrung entgegen zu nehmen —■
gewiß eine hübsche Illustration für die fliegenden Blätter, aber
keine Handlung, welche das Recht verlangen darf.
Richtig entscheidet auch Wolfs, zur Lehre von der Mora
S. 497, Sintenis, II S. 218, Windscheid §. 345 No. 5
und Thöl, I 1 S. 286 No. 16. Hiergegen ist aber wieder
Römer, Abh. S. 141 fg. aufgetreten, weil es dafür keine
Quellenstellen gebe; allein die Quellen sind nicht dazu da, um
alle Fälle kasuistisch zu entscheiden, sondern um uns impli-
cite die richtigen Prinzipien zu geben; das Obige folgt aber
aus den quellenmäßigen Prinzipien, so wahr als überhaupt
etwas aus den quellenmäßigen Prinzipien folgt. Man kann
auch nicht dagegen geltend machen, daß nicht sestgestellt sei, daß
der Schuldner das Seinige gethan haben würde, wenn der Gläu-
biger nicht abgeschrieben hätte ; denn die bloße Möglichkeit, daß

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