Full text: Volume (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

396

Dr. Jos. Köhler,

stellt hat; insbesondere muß die Ausscheidung gegenüber dem
Gläubiger vorgenommen werden, sie muß daher dem Gläubiger
notifizirt oder wenigstens zu notifiziren versucht werden, da sie
sonst nur einen internen Charakter hat und über den Vermögens-
kreis des Schuldners nicht hinausgeht, vgl. Regelsberger,
Arch. s. ziv. Prax. XLIX S. 210 fg.: erst mit dieser Notifika-
tion findet eine Spezialifirung gegenüber dem Gläubiger statt
und ist daher der Uebergang der Gefahr möglich. Die Aus-
scheidungstheorie irrt nur darin, daß sie den Gefahrsübergang
überall in dem Moment, wo derselbe möglich ist, entgegen
der allgemeinen Rechtsüberzeugung, auch wirklich eintreten läßt;
während dieser Moment nur dann entscheidend ist, wenn, wie
im Falle des Annahmeverzugs, der Gefahrsübergang so weit als
möglich zurückdatirt werden soll.
Wie dringend übrigens in einem solchen Falle diese Rück-
datirung des Gefahrsübergangs ist, zeigen Fälle, wie das be-
rühmte kr. 72 pr. de solut. Der Schuldner bringt dem Gläu-
biger das Geld parat und will es ihm auf den Tisch legen.
Der Gläubiger weist ihn ab. Auf dem Rückweg wird der Schuld-
ner von den Räubern ausgeplündert. Soll hier der Schuld-
ner außer emem vergeblichen Spaziergange und einem gehörigen
Aerger auch noch den Schaden mit in Kauf nehmen? Nim-
mermehr. Verweist man ihn aus die Deposition, — zum Depo-
niren bedarf es Zeit, und gerade diese Zwischenzeit ist verhäng-
nißvoll. Xon 68t aequum teneri pecunia amissa, quia
non teneretur, si ereditor accipere voluisset fr. 72 pr. de
solut.
Die viel behandelte Frage, ob diese Lesreiung im Röm.
Recht ope exceptionis oder ipso jure stattfand, kann als
der Rechtsgeschichte angehörig hier bei Seite gelassen werden;
insbesondere da bei der Beschaffenheit des Ouellenmaterials hier
schwer etwas Entscheidendes zu ermitteln ist und mit Dermuthun-

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer