Full text: Volume (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

Annahme und Annahmeverzug.

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actio (schlechtweg), sonst eine utilis actio contra depositarium
vel ipsas pecunias; ob also die actio gegen den Schuldner im
Falle der Zurücknahme die Kontraktsklage schlechtweg, oder eine
modifizirte, utilis actio ist; doch hat diese Frage keinen praktischen
Belang, weßhalb sie hier füglich dahingestellt bleiben kann.
§- 7.
Schon oben ist das Anstößige und Ungeschlachte der puren
Aussetzung der Waare betont worden, und es ist nunmehrzu
erörtern, wie sich das fortgeschrittene Rechtsbewußtsein zu der-
artigen bedenklichen Manövres verhält. Hier sind es nun
Rücksichten des sozialen Lebens wie der Wirtschaftspolitik,
welche sich solchen barbarischen Operationen entgegensetzen. Daß
es nicht sehr anständig ist, den Wein, welchen der Käufer nicht
abholt, auszuschütten, ist schon den Römern zu Gemüthe gegan-
gen; so handelt ein Bauer ä la Cato, kein Geschäftsmann,
welcher etwas auf Coulance und geschäftliche Dienstsertigkeit hält.
Vielmehr ist es Sitte eines ordentlichen Geschäftsmannes, wenn
er ohne eigene Aufopferung seinen Geschäftsgenossen vor Scha-
den bewahren kann, dies zu thun, auch wenn er hierzu keine
Verpflichtung hat. Ich werde nicht die Bücher, die mir ein un-
bekannter Buchhändler zusendet, im Hausgang liegen lassen ; der
Kaufmann, an den aus Versehen die für seinen Namensgenossen
bestimmten Waaren abgegeben worden sind, wird dieselben nicht
dem Unwetter preisgeben: Quantum sine ipsius incommodo
fieri potest, operam dare (debet), ut quam minime detri-
mento sit ea res emptori fr. 1 §. 3 de pericul., kürzer ge-
sagt : er wird thun, quod alteri prodest nec sibi nocet.
Alle diese Anstandspflichten zu Rechtspsiichten zu erheben, geht
nicht an; wäs in der Freiheit ein Zug von Noblesse und Fein-
heit, das würde unter dem Rechtszwang zum unerträglichen Joch
und zum Spiel der Chicane und Intrigue. Wohl aber können

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