Full text: Volume (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

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Dr. Jos. Köhler.

non personas conveniri, wie man auch bei uns z. B. von
einem berechtigten und verpflichteten Grundstück spricht. In der
Sache selbst ist die Bestimmung ungemein begründet, sie ist ein
glänzender Beweis für die erstaunliche Fähigkeit der Römer, sich
in der gebundenen Form ihres Aktionenmaterials frei und sicher
zu bewegen. Wäre der dingliche Vertrag wie im französischen
Recht formlos *), so bedürfte es nur einer nachträglichen form-
losen Acceptation des Gläubigers, er würde Eigenthümer und
ihm stünde das Feld der dinglichen Klagen offen. Da es aber
im Röm. Rechte der Besitzergreifung des Gläubigers bedarf, so
sucht man wenigstens dem Gläubiger ein sicheres Mittel an die
Hand zu geben, uni zum Besitze zu gelangen. Ein Mittel wäre
es nun, wenn sich der Gläubiger vom Schuldner die rei vin-
dicatio cediren ließe, besser noch, wenn der Gläubiger die Ces-
sion von dem Schuldner mit der Vertragsklage verlangen könnte,
und dieses hat das Röm. Recht in vollem Maße gestattet, ob-
gleich eine solche Ablösung des dinglichen Anspruchs vom ding-
lichen Recht, wie ich in meinem Patentrecht S. 472 flg.
gezeigt habe, gegen die Natur der Sache ist, ein Behelf, zu wel-
chem das R. Recht ohne Noth schwerlich gegriffen hätte. Allein
1) Wir hoffen, daß das deutsche Civilgesetzbuch trotz der jetzt herrschen-
den Strömung schließlich dem Beispiel des franz. Rechtes folgt. Alle Ein-
würfe gegen dieses System sind Schuleinwürfe ohne jeden praktischen Halt.
Bgl. meinen Aufsatz in den bad. Annalen 1874 S. 232 flg. Es wäre
besser, wenn man, anstatt solche Schuleinwürfe zu bilden, sich einmal die
Praxis in den Ländern des franz. Systems näher ansehen würde. Mit
dem Traditionssystem hat man nur eine beschwerliche, unnöthige Form,
welche schon längst unerträglich geworden wäre, wenn sich der Verkehr nicht
mittelst Ausnutzung des coustit. possessorium und der symbolischen Tra-
dition oder mit direkten Ausnahmen, wie bei Seeschiffen (a. 439 H.G.B.
Goldschmidt. Handb. I 2 S. 805 flg.) ausgeholfen hätte. Vgl. nunmehr
auch den Schweizer Entw. eines Obligationenrechts v. 1877 a. 202: „Ein
Rechtsgeschäft, das auf die Uebertragung von Eigenthum an bestimmten be-
weglichen Sachen gerichtet ist, überträgt das Eigenthum sofort, ohne daß
die Uebergabe der Sache oder die Bezahlung des Preises erforderlich ist."

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