Full text: Volume (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

Annahme und Annahmeverzug.

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Gläubiger die Sache vor die Thüre, ans Fenster, in den Hof-
eingang u. s. w. Dies ist insbesondere in den meisten der an-
geführten deutschrechtlichen Fällen ganz offensichtlich: Wenn
Jemand das Geld auf das Faß oder aus die Brotbank legt,
wenn man das Fahrgeld im Nachen zurückläßt, wenn man dem
Förster das Geld aus den Baumstamm legt, so ist es klar, daß
man die Sache nicht derelinquiren, sondern tradiren will; wie
denn auch die Weisthümer dem Wirth vielfach Anweisung geben
über die Behandlung des auf dem Fasse zurückgelassenen Pfandes,
vgl. Embrach (Grimm I 114): nach dem aber das vass
uskompt und die beck verkoufft ist, so megent der win-
schenk und der beck ire pfand ouch ungefrevellt ver-
kouffen, doch söllent sy das dem Schuldner uff sinen
costenn verkünden vorhin. Und selbst beim Weinausgießen
des deutschen Rechts läßt sich die Traditionsidee in der köstlichen
Symbolik wiedererkennen.
Dafür spricht denn auch vollkommen der Vorgang bei der
Deposition; denn die Deposition bei sich ist nicht eine bloße fak-
tische Niederlegung, die Deposition bei einem Dritten ist nicht
ein bloßer Niederlegungsvertrag zwischen Deponenten und De-
positar; sondern die Deposition ist hier zu gleicher Zeit Tra-
dinonsgeschäst gegenüber dem Gläubiger, so daß der Gläu-
biger Eigenthümer wird, sobald er die Sache in der bestim-
mungsgemäßen Weise von dem Depositar ausgehändigt erhält;
wie dies in der Litteratur zwar angedeutet, aber auch nur ange-
deutet, nicht klarer ausgeführt zu werden Pflegt, vgl. Kniep,
Mora des Schuldners S. 227, Ulrich, Deposition und Dere-
liktion S. 54. 64. Der Depositar ist daher nicht bloßer Kon-
trahent bezüglich des obligatorischen Depositenvertrags, sondern
er ist zu gleicher Zeit ein Organ des zwischen Schuldner und
Gläubiger abzuschließenden dinglichen Vertrags, indem er als
Repräsentant des Schuldners den Besitzübergabeakt vollzieht.

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