Full text: Volume (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

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Dr. Jos. Köhler,

liftton nur dann angenommen werden, wenn die Erklärung
sicher und unzweideutig auf die unbedingte Eigenthumsaufgabe
gerichtet ist, vgl. Ir. 9 §. 8, fr. 58 de adq. rer. dom., fr. 2
§. 8, fr. 8 de lege Rhodia, fr. 21 §. 2 de adq. poss., fr. 7
pro derelicto, fr. 43 §. 10 u. 11 de furt., §.47 I. de rer.
div., dazu meine Abhandlung über die Anlagen an der Gränze
in der Z. f. stanz. Eiv. R. VIII S. 192. 193 x). Eine solche
Eigenthumsaufgabe liegt aber nicht in Veranlassung, in Zweck
und Wesen unseres Institutes begründet ; nicht daß das Eigen-
thum ohne Weiteres desert wird, kann der Erfüllung gleich-
stehen, so daß der Gläubiger mit jedem Dritten um die Wette zu
laufen hätte, um die Sache zuerst zu erhaschen, sondern nur, daß
eine Eigenthumsübergabserklärung zu Gunsten des Gläubigers
erfolgt, so daß von dessen Seite blos der Akt der Acceptation übrig
bleibt, während der Schuldner durch den Offerteäkt der Aus-
setzung das Seinige gethan, die Eigenthumsübergabserklärung
abgegeben und sich zugleich des Besitzes der Sache entledigt hat.
Die Aussetzung der Sache ist keine Dereliktion, sondern eine
Traditionsofferte, welche der Acceptation des Gläubigers harrt;
der Irrthum derer, welche hier eine Dereliktion annehmen, steht
dem Irrthum gleich, welcher in dem paetus missilium unter
das Publikum eine modificirte Dereliktion erblickt, Scheurl,
Beiträge I S. 207 und dagegen Exner, Rechtserwerb durch
Tradition S 12.fg., S ohm in Goldschm. Zeitschr. XVII S. 51
sg. In vielen Fällen liegt das Richtige so klar vor, daß gar
Niemand daran zweifeln wird, z. B. der Schuldner stellt dem
1) In dieser Richtung bietet das moderne Kulturleben überhaupt ver-
schiedene Probleme, welche noch durchaus nicht genügend bearbeitet sind.
Z. B. Wenn ich einen Kranz auf ein fremdes Grabmal niederlege, so
mache ich den Kranz besitzlos, aber nicht eigenthumslos; daher ist es ein
Eigenthumsvergehen, wenn ihn sich Jemand unbefugt aneignet, und er ist
strafbar, auch wenn die Voraussetzungen von §. 168 R.Stgb. nicht vor-
liegen. Wem aber das Eigenthum zusteht, ist noch nicht genügend aufgeklärt.

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