Volltext: Band (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

Annahme und Annahmeverzüg.

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Daß es manchmal troß alledem mit dieser Institution seine
Schwierigkeit haben mochte, ist nicht zu verkennen. So war
es z. B. bei einer Ochsen- oder Schasheerde keine leichte Aufgabe,
dieselbe unterzubringen oder in die Berge zu jagen, und es
hatte daher das System der Aussetzung der Sache nicht nur sein
Schwerfälliges und Barbarisches, sondern es war auch unvoll-
kommen und lückenhaft.
Es geht aus dem Obigen hervor, daß Aussetzung und De-
position in der That nur ein und dasselbe Institut sind und daß
der Unterschied zwischen der Deposition und der Aussetzung saus
phrase nur ein faktischer, kein in dem Innern des Institutes
begründeter rechtlicher ist. In beiden Fällen liegt eine Ent-
äußerung , der erste Schritt zur Besitz- oder Eigenthumsübergabe
vor, der nur in dem einen Fall in rücksichtsvollerer Weise statt-
findet, als im andern. Dies wird sich aus der nähern recht-
lichen Untersuchung des Institutes ergeben.
§. 5.
Man faßt die einfache Aussetzung der Sache gewöhnlich als
Dereliktion aus, ja man hat sie ohne Weiteres als Dereliktion
bezeichnet x) und als solche der Deposition gegenübergestellt.
Damit würde gesagt sein, daß die einfache Aussetzung einen
vollen Eigenthumsverzicht des Schuldners enthielte, so daß ein
jeder Dritte sich der Sache bemächtigen und sie sich dadurch zu
etgen machen könnte. Daß dies der Sinn des Institutes sei, ist
schwer zu glauben, es ist ein solches auch nirgends bezeugt; im
Gegentheil heben die Römer eindringlichst hervor, daß nicht in
jeder Aussetzung der Sache, nicht in jeder Aufgabe des Besitzes
eine Eigenthumsaufgabe zu erblicken sei ; vielmehr soll eine Dere-
So auch die neueste Monographie von Ulrich, Deposition und
Dereliktion, Zürich 1877. Die Arbeit beweist hübsche Litteraturkenntnisse,
ist aber ohne sruchtbringende neue Gesichtspunkte.
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