Full text: Volume (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

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»r. Jos. Köhler,

und Fach zu bringen, um sie vor Sturm, Wetter und Diebs-
händen, zu sichern, es ist dies lediglich eine vernünftigere, sachge-
mäßere Art der Aussetzung, als wenn der Schuldner die Sache
auf die Straße setzen und damit jeder Unbill preisgeben würde;
das Haus, in welchem die Sache aufbewahrt wird, ist für die-
selbe nicht mehr die Signatur der Privatwirthschast, welcher sie an-
gehört, sondern nur eine provisorische Sicherungsanstalt zur
Bergung gegen natürliche und menschliche Feinde. Es finden
sich denn auch in den Quellen einige Stellen, welche mit hin-
reichender Sicherheit auf diese Art der Niederlegung Hinweisen.
So insbesondere das kr. 7 de usuris, welches sich sonst nur
unter mannigfachen Suppositionen erklären läßt, während sich
doch die Sache nach unserer Erklärung höchst einfach gestaltet:
Der Schuldner hat die Sache bei sich niedergelegt; nachträglich
stellt sich der Gläubiger zur Annahme, der Schuldner verweigert
die Uebergabe. Durch diese Weigerung ist der beginnende Ueber-
tragungsakt, welcher Akt mit der Absonderung von der eigenen
Privatwirthschast begonnen hatte, unterbrochen. Aber auch das
kr. 6 $6 lege Commiss. ist in dieser Weise zu erklären. Der
Schuldner hat das Geld in einen Sack versiegelt, und bei sich
niedergelegt, den Tag daraus erfolgt der Beschlag durch den
fiscus. Man vergl. auch die Sprechweise in c. 1 qui potiores
in pign.: obsignavit et deposuit nec in usus suos convertit,
eine Sprachweise, welche sich bei der Hinterlegung zur dritten
Hand seltsam ausnehmen würde; ferner kr. 28 §. 1 de adm. et
per. tut,: deposuit obsignatam tuto in loco.
Nichtsdestoweniger ist es sehr begreiflich, daß der Schuld-
ner daraus hielt, die Sache möglichst bei einem Dritten unter-
zubringen; dadurch wurde die Absonderung von der Privat-
wirthschaft des Schuldners kenntlicher gemacht und dem Gläu-
biger der Zutritt zur Sache erleichtert. In diesem Falle fand
ein Hinterlegungsvertrag statt, welcher indeß nur eine neben-

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