Full text: Volume (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

Annahme und Annahmeverzug. 299
lischt Natur der Sache gegeben, er liegt nicht in dem Wesen des
Institutes.
Das deutsche Recht hat auch für Geldschulden eine reiche Fülle
ebenso vielgestaltiger und interessanter als belehrender Detail-
gebräuche entwickelt i). In reicher Abwechslung bieten sich die ver-
schiedensten Gebräuche dar, welche es dem Gültpflichtigen gestatten,
sich seines Zinsgeldes ohne Mitwirkung des Zinsherrn zu entledi-
gen. So besagt ein Weisthum von Ulm bei Lichtenau (Grimm I
S. 430), daß des Abtes Bote von den Hubern den Zins fordern
soll vor der kirchen zue Scherzheim und zue Ulmen —
— Ist aber yman dann zue mol der sich versümet, der
sol Körnen by der selben dagezyt in den hoff geyn Ulmen,
und sol zue drien molen rueffen, ob yman da sy, der
den zinss enpfohen wolle? ist daz nyman Komet, so sol
ere den zinss legen uff eynen steyne oder in eyn rigelloch
in den hoff, so ist er dez zinss ledig. Nach einem Schön-
felder Weisthum (Grimm III S. 027) hat der Zinspflichtige
dreimal zu rufen : Komm meister, hole meines herrn seinen
zins! — kombt er nit, so soll er wieder hinter sich gehen
in das holz und soll den zins legen auf einen stock, so
hat er die herschaft und das gut gewehret. Ein Elsässer
Weisthum (Von Richisheim - Rixheim) nus dem Jahre 1532
(Grimm IV S. 267) besagt: Were aber daz der dinkhoff1 2)
in krieg stünde unde niemant darin were, dann sol ein
brettstein ligen by dem bach, und wer sinen zins richten
wil, der sol mit im nemen zwen ander huber, der sol
gan in den hoff und ruffen dristend (dreimal) als man auch
zum zehnden thut: „ist jemant hie, der mins herr zins
1) Bgl. auch Gierte, Humor im d. R. S. 39, und auch schon
Grimm, Rechtsalterthümer S. 389 fg.
2) dinkhof = Fronhof, Herrnhof, Maurer, Fronhöfe II S. 121,
Vgl. auch das Weisthum von Furtwangen, Alemannia II S. 234. 235.

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