Full text: Volume (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

Annahme und Annahmeverzug.

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schen Operationen u. s. w. konftruiren, was Niemand vertei-
digen wird. Ein wahres, zur Obligation genügendes, Interesse
wäre dagegen allerdings vorhanden, wenn Jemand einem Er-
finder ein Terrain zur Vornahme seiner Versuche versprechen
würde, sollten auch die Versuche zugleich diesem Terrain zu Gute
kommen: hier stünden die beiderseitigen Interessen einander gegen-
über und jedes wäre fähig, aus sich eine Obligation zu treiben;
möglicherweise handelt es sich nur um ein Interesse des Erfin-
ders, sosern die Erfindung dem Terrain nicht zu Gute kommen
kann oder soll: dann ist nur das Darbieten des Terrains mög-
licher Gegenstand der Verpflichtung, dagegen die Thätigkeit des
Erfinders nur Recht, nicht auch Pflicht. Aehnlich ist der Fall,
wenn sich Jemand verpflichtet hat, Modell zu stehen: hier ist
nur seine Thätigkeit möglicher Gegenstand der Verpflichtung,
nicht auch die Thätigkeit des Malers — umgekehrt, wenn sich
Jemand portraitiren läßt, hier ist der Maler verpflichtet, nicht
auch der zu Portraitirende: zwischen Modell und Portrait tauscht
sich völlig das obligationstüchtige Interesse, und ebenso ist das
Malen im einen Falle freies Recht, im andern lautere Pflicht.
Man sieht, daß die Frage über das obligationstüchtige
Interesse noch lange nicht erschöpft ist, und ich behalte mir vor,
in Bälde einen Beitrag zu liefern; vgl. Windscheid §.251
No. 3, und neuestens IHering in seinem Rechtsgutachten betr.
die Wasserfallenbahn S. 47 fg., 67 sg.
§. 3.
Hiernach besteht eine Verpflichtung des Gläubigers zur
Mitwirkung bei der Erfüllung oder bei der sonstigen Lösung des
Obligationsbandes nicht. Anderseits muß dem Schuldner ge-
holfen und ihm die Möglichkeit gewährt werden, eine Lösung
des Schuldverhältnisses ohne Mitwirkung des Gläubigers her-
beizusübren; denn sonst würde das Schuldverhältniß perpetuirt
und dadurch die Verpflichtung des Schuldners über den ihr

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