Full text: Volume (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

Annahme und Annahmeverzug.

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tion hiergegen nicht gefehlt. So ist es nicht der geringste der
Verdienste des Mommsen'schen Werkes über die Mora, rück-
haltslos betont zu haben, daß der Gläubiger zur Annahme
nicht verpflichtet sei, S. 134 flg., wenn auch Mommsen fern
davon ist, alle Konsequenzen dieser fundamentalen Wahrheit zu
ziehen; und jene Meinung von Demelius hat durch Unger
in I. Iahrb. VIII S. 14 eine herbe Zurechtweisung erfahren;
wie auch jener Irrthum des bad. Oberhosgerichts von Theorie
und Praxis reprobirt worden ist, vergl. dagegen Stahl in
Goldschm. Zeitschr. XVIII S. 393, 394 (No. 44).
In der That ist jene Ansicht von der Mitwirkungspflicht
des Gläubigers einer der fundamentalsten Irrthümer in der
Lehre des Obligationenrechts. Der Gläubiger ist nicht ver-
pflichtet, die Leistung anzunehmen, es ist die Annahme ein Recht
und nur ein Recht, keine Pflicht; sie steht auf gleicher Stufe,
wie jede anderwärtige Benutzung eines Vermögensgutes. Ich
darf meinen Schuldner, welcher mir zahlen will, abweisen,
ebenso gut, wie ich mein Geld auf die Straße unter das Publi-
kum werfen kann; ich bin nicht verpflichtet, in meine Mieth-
wohnung einzuziehen, wenn ich auch einen Miethvertrag auf
9 Jahre abgeschlossen habe, ebenso wenig als ich verpflichtet bin,
mein eigenes Haus zu bewohnen*); ich bin nicht verpflichtet,
dem Schneider meinen Rock zu schicken, wenn wir auch mit ein-
ander akkordirt haben; ich bin nicht verpflichtet, einen Geiger
anzuhören, wenn ich ihn auch um schweres Geld bestellt habe;
1) Nicht entgegen steht kr. 13 §. 7, fr. 24 §. 2 locat., Sachs. Gesb.
§. 1205 a. E. Denn, bin ich auch nicht verpflichtet, die Leistung anzuneh-
men, so bin ich doch, sobald ich angenommen habe, zur Diligenz in der Be-
handlung der Sache verpflichtet, und dazu gehört, daß ich die Sache nicht
Knall und Fall liegen und stehen lasse, sondern mindestens von meinem
Weggehen den dominus; benachrichtige; ebenso wie ick ein gemiethetes Pferd
nicht anzunehmen brauche, wohl aber, wenn ich ed angenommen habe, es
zurückbringen muß und nicht seinem Schicksal überlassen darf.

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