Full text: Volume (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

Beiträge zur römisch-rechtlichen Lehre.

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geschehen. Der cognitor hatte, wie wir gesehen, seine Be-
sreiung von Kautionen dem seierlichen Beftellungsakte, den der
dominus selbst vornahm, zu danken; als man das Gewicht der
Form nicht mehr sür entscheidend hielt, galt der dem Gericht
und Gegner gegenüber formlos ausgesprochene Bestellungsakt
ganz ebenso viel. In diesem Bestellungsakte liegt daher die
Begründung von zwei verschiedenen Rechtsverhältnissen: ein-
mal wird damit die prozessualische Stellvertretung begründet,
dann ist sie ein Zeichen irgend einer, das innere Verhältniß be-
treffenden Beziehung. Beide Seiten sind aber völlig unab-
hängig von einander: der Gegner hat gar kein Interesse, die
innere Seite zu erkennen. Für ihn ist nur von Wichtigkeit, das
periculum zu vermeiden, ne itormn dominus de eadem re
experiatur, ist diese Frage erledigt, so ist es sür ihn irrelevant,
ob der Stellvertreter Mandatar des dominus sei oder nicht.
So wenig die Prozeßbevollmächtigung des Cognitor bis-
her nothwendig ein Mandat gewesen war, so wenig war es
jetzt die Einführung des procurator. Da nun aber allerdings
der procurator rei alienae in der Mehrzahl der Fälle durch
ein Mandat bestellt war, so wurde die Bezeichnung des ganzen
Bestellungsaktes als Mandat im gewöhnlichen Sprachgebrauch
die herrschende, aber ohne daß dadurch das Stellvertretungs-
verhältniß selbst ein Mandat geworden wäre*).
Zum Beweise dieser Behauptung ist nichts so entscheidend,
als die Behandlung des Substitutionsrechtes.
Prokurator ist derjenige, der für den dominus handelt; der
Prokurator kann nun freilich sehr wohl für sich einen Mandatar
berufen, dieser aber ist nicht procurator domini, d. h. also
1) Daß diese Scheidung ün röm. R. auch sonst, wo eine Stellvertre-
tung zugelassen war, beachtet, hat Jhering in dem mehrfach erwähnten Auf-
sätze über Mitwirkung sür fremde Rechtsgeschäfte nachgewiesen. Vgl. bsd.
I. c. I. S. 321.

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