Full text: Volume (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

Beiträge zur römisch-rechtlichen Lehre.

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den Stellen: Ix. 12 §. 2 de solutbs. (46, 3). Ix. 34 §. 3 eben-
dort. Inst. §. 10 de mandato (3. 26).
Diese Aussprüche sind aber keineswegs die Konsequenzen
der Mandatslehre, die im Gegentheil durchaus strenge an der
Stellung des Mandatars als „Ersatzmann" sestgehalten hat,
sondern sind vielmehr nur aus dem oben angedeuteten Gedan-
ken, von dem die Cognitor ausging, zu erklären. Eine quel-
lenmäßige Begründung werde ich später erbringen. — Wohl
aber hängt die Cognitur nach einer anderen Seite mit der Man-
datsentwickelung zusammen. Dem Cognitor war durch seine
Bestellung von Seiten des Prinzipals ein Vertrauen erwiesen,
denn da aus seinen, nicht des dominus Namen die aetio judi-
cati gestellt wurde, war es lediglich eine Sache des Vertrauens,
daß er hiervon dem dominus gegenüber keinen Mißbrauch mache.
Die Folgen des verletzten Vertrauens waren zuerst als ein De-
likt aufgesaßt *). Durch den hierdurch bedingten Entwickelungs-
gang des Mandats gewinnt die Ix. 8 pr. (17, 1) eine beson-
dere Bedeutung. Der actio mandati sowohl als der actio de-
positi war als Reminiszenz dieser ihrer Deliktsnatur der infa-
mirende Charakter geblieben. Wenn nun bei beiden Klagen
die infamia Folge der verletzten fides war, so standen hierin
und ebenso auch in ihrem Resultate, der Wiedererlangung der
instrumenta, beide sich gleich. Die weitere Begründung des
Labeo aber für die Zuständigkeit der actio mandati:
unius cujusque enim contractus et initium spectandum
esse et causam,
beweist, daß ihm beide Klagen als Kontraktsklagen erschienen.
Ihm ist die gemeinsame historische Grundlage, die fides, nicht
der entscheidende Gesichtspunkt, sondern das, was bei Begrün-
dung des Rechtsverhältnisses gewollt ist. Dieselbe Gegenüber-

i) Jhering, Schuldmoment S. 34.

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