Full text: Volume (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

Beiträge zur römisch-rechtlichen Lehre.

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daß, auch wenn wir für die Obligationen in unserem heutigen
Rechte die Möglichkeit einer Singular-Succession anerkennen,
die Frage selbst damit noch nicht allseitig gelöst ist. Der Um-
stand, daß jede Obligation in ihrem Inhalte auf den rechtlichen
Schuh eines praestare hinweift, das von einer Person an eine
andere gemacht werden soll, ergibt freilich eine bestimmte Be-
ziehung zwischen creditor und debitor, die bei einem Personen-
wechsel nicht unberührt bleiben kann. Ist aber diese Schwierig-
keit keineswegs eine unüberwindliche, weil in dem materiell
rechtlichen Vermögensbegriffe eine Lösung zu finden ist, so liegt
die größere und praktisch gewichtigere nach einer ganz andern
Seite. — Indem es sich nämlich um die Leistung eines Rechts-
subjekts handelt, kann nicht, so scheint es, von anderen Per-
sonen in der Art gültig disponirt werden, daß die freiwillige
Mitwirkung des debitor cessus rechtlich ohne Belang sein
könnte, wenigstens wird eine Sicherung des gewollten Ueber-
ganges ohne Beachtung des Schuldners nicht zu erreichen sein.
Die Mittel, diese Schwierigkeit zu überwinden, sind unter
einem ganz andern Gesichtspunkte zu behandeln, als die rein
materiell rechtliche Frage nach dem Forderungsübergange selbst,
seinem ökonomischen Werthe nach, von dem einen Vermögen
in ein anderes.
Sind nämlich andererseits nach den Bedürfnissen des Ver-
kehrs Forderungen wesentlich ein Gegenstand freister Veräuße-
rung, so muß es darauf ankommen, ein Mittel zu finden, durch
welches auch ohne Mitwirkung des Schuldners ein Uebergang
der Forderung in der Art möglich wird, daß sie mit vollem
Rechtserfolge ausschließlich an den Eessionar gebunden ist. —
Daß das röm. Recht bis zum Ende des ordo judiciorum
diesem Dilemma durch Aufstellung eines selbständigen Cessions-
aktes entgangen ist, habe ich auszuführen versucht.
Wenn ich auf S. 85 m. sing. Eession gesagt: „uns ist eben
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