Full text: Volume (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

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Dr. Rudolf Leonhard,

chen wird, weil es durch die erste Veräußerung und die dazu
kommende Beerbung des Eigenthümers durch den Tradenten
aus den ersten Käufer übergegangen ist, daß also hier der
Erwerb der exeeptio rei venditae et traditae mit dem
Erwerbe bonitarischen Eigenthumes identifizirt wird x). Diese
Stelle würde also die Frage geradezu entscheiden, wenn nicht
noch immerhin die Möglichkeit einer inkorrekten Ausdrucksweise
in derselben zu Gunsten der heute herrschenden Meinung denk-
bar wäre. Allein ihre Hauptstütze findet diese Meinung in der
Fassung unserer Lehre innerhalb der Iustinianeischen Rechtsbü-
cher, welche mindestens das Eine sicherlich beweisen, daß die
Redaktoren der Digesten an eine Aushebung oder wesentliche
praktische Umgestaltung der exceptio rei venditae et tradi-
tae durch die Beseitigung des bonitarischen Eigenthums nicht
wohl gedacht haben können. Es ist eine Haupteigenthümlich-
keit der Iustinianeischen Rechtsänderungen, daß sie mit wahr-
haft byzantinischem Pompe auftreten. Wie prägnant ist es
nicht hervorgehoben, daß an die Stelle der alten praescriptio
longi und longissimi temporis eine wahre Ersitzung treten
soll? Mit welcher Nichtachtung wird das Institut des spa-
dium deliberandi, wird das Pegasianum behandelt? Soll
1) Für die Identität des bonitarischen Eigenthums mit der durch unsere
exceptio geschützten possessiv ließe sich auch noch eine m. E. sehr zutreffende Be-
trachtrmg heranziehen, welche Leist (die bonorum possessio Bd. I S. 268)
Wer das historische Berhältniß der Rechtsmittel des bonitarischen Eigenthums
zu diesem Institute macht. Leist meint, man müsse sich die Entwickelung
desselben nicht so denken, als habe der praetor in gewissen Fällen ein bo-
nitarisches Eigenthum ersonnen und nunmehr erst mit Rechtsmitteln um-
kleidet; vielmehr habe der praetor in gewissen Fällen einen eigenthumsähn--
lichen Schutz eintreten lasten, und nunmehr sei man erst auf dem Wege
juristischer Konstruktion dazu gekommen, diese Fälle dem Eigenthum gleich-
zustellen. Es muß sich aber in allen Fällen der exeeptiv rei venditae et
traditae eine gleiche Veranlassung zu solcher Konstruktion, wie bei dem
Schutze dessen, dem eine res mancipi bloß tradirt war, dargeboten haben.

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