Full text: Volume (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

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Dr. Rudolf Leonhard,

für die vorerwähnten Fälle und das bonitarische Eigenthum zu-
gleich bestanden hat, so bleibt es immerhin noch fraglich, ob un-
sere exceptio von vornherein in diesem weiten Umfange eingesührt
oder zunächst nur sür jene Fälle gegeben und sodanll aus das bo-
nitarische Eigenthum x) oder umgekehrt ursprünglich sür das bo-
nitarische Eigenthum bestimmt, später aus jene Fälle ausgedehnt
worden ist?). Welche dieser drei Ansichten die richtige ist, das
wird sich bei dem dürftigen Quellenmaterial über den Gegenstand
schwerlich entscheiden lassen. Den einzigen Anhaltspunkt würde
die Stellung dieses Rechtsmittels innerhalb des Edikts gewäh-
ren, welche wiederum nicht anders, als aus den Rubriken der über
unsere Einrede vorhandenen Fragmente ermittelt werden kann.
Allein zunächst läßt sich nicht mit Bestimmtheit ermitteln, ob die ex-
ceptio rei venditae et traditae im Edikte bei der Eviktionslehre
gestanden hat, oder ob sie nicht vielmehr, was das Wahrschein-
lichste ist^), unter den Exzeptionen oder auch bei der rei vindi-
catio und Publiciana ftanb* 1 2 3 4). Sollte sie wirklich schon im
den heredes gegenüber hatten (Gaj. II. 120, collatio leg. 16, 3) scheint mir
eine der exceptio rei vend. et trad. entsprechende Natur gehabt zu haben.
1) Diesen Entwickelungsgang scheint Mayer (a. a. O. S. 42), der
sich jedoch, wie schon erwähnt, sehr vorsichtig ausdrückt, für möglich zu halten.
2) Dies scheinen anzunehmen Hugo, Lehrbuch der Gesch. des Röm.
Rechts, Berlin 1824. 9. Aufl. S. 438), Zimmern (Rheinisches Museum,
Bd. III S. 311 ff., bes. S. 325), und insbesondere Michelsen (a. a. O.
S. 25 ff.) dieser stützt sich auf den Namen der Einrede, die Analogie mit
der Publiciana und die dingliche Natur der exceptio rei vend. et trad.,
Argumente, welche wohl auf deren Anwendbarkeit zum Schutze des bonita-
rischen Eigenthums Hinweisen, nicht aber darthun, daß dies ihr ursprüng-
licher Zweck war.
3) Vgl. insbesondere die Citate bei Bruns, fontes juris Romani an-
tiqui, Tubingae 1876 ed. 3 zu den edicta praetorum II exceptiones S. 165
und 166, aus welchen unzweifelhaft hervorgeht, daß Plpian in seinem liber
76 ad edictum, aus dem die 1. 1 dig. h. t. 21, 3 und die 1. 4 §. 32 dig.
de doli mali et metus exceptione 44, 4 entnommen sind, von den excep-
tiones gehandelt hat.
4) Bgl. insbesondere Mayer a. a. O. S. 43, 44. Dieser weist dar-

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