Full text: Volume (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

Agathon Wunderlich.

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gekommen war, gewesen waren, so glaubte ich die Lage von ihm
mit der eines Fischers vergleichen zu können, der nur sein Netz
auszuwerfen braucht, um einen vollen Fang zu thun, während
ich mir wie ein Mann vorkam, der bloß die Angel ausgeworfen
hat und abwarten muß, bis ab und zu einmal ein einzelner Fisch
anbeißt, und ich benutze diese Gelegenheit, die mir für die Jahr-
bücher vielleicht nicht zum zweiten Male kommt, um die Erklä-
rung abzulegen, einen wie hohen Werth für das Gedeihen der
Zeitschrift ich auf die Mitwirkung wissenschaftlich gebildeter Prak-
tiker lege, und wie dankbar ich die Förderung, die sie bisher
durch Männer wie Bähr, Delbrück und andere erhalten haben,
anerkenne. In Bezug auf Wunderlich sollte die Hoffnung, die
ich auf ihn gesetzt hatte, nicht in Erfüllung gehen; es fehlte ihm
das dem Praktiker wie dem Theoretiker, wenn sie die Wissen-
schaft wahrhaft fördern wollen, in gleicher Weise unentbehrliche
Abstraktions- und Generalisirungsvermögen; die reiche Aus-
beute, die ihm in seiner Stellung beschieden war, erschöpfte sich
in der richtigen Wahrnehmung und Beurtheilung des Einzelnen,
ohne daß er davon Anlaß genommen hätte, sich zu dem Allge-
meineren, zur Abstraktion zu erheben — er war eine wesentlich
receptive, keine produktive Natur.
Aber auch der receptiven Natur, wenn sie die ihr zugefal-
lene Aufgabe mit Ernst und Pflichttreue erfüllt, ist ihr Platz in
der Welt beschieden, den sie zum Nutzen der Menschheit auszu-
- füllen vermag, ein leichterer vielleicht als der der produktiven
Natur, aber auch ein sichererer, und wenn ich die Lebenssumme
des Mannes, dem diese Zeilen gewidmet sind, zusammenfasse,
so weiß ich nicht, ob er nicht Ursache hat mit mehr Befriedigung
auf das, was er im Dienste des Rechts geleistet hat, zurückzu-
blicken, als gar mancher von uns Theoretikern, dessen vermeint-
liche produktive Thätigkeit die Nachwelt schließlich als Seifen-
blasen bezeichnen wird — er hat nicht umsonst gelebt!

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