Full text: Volume (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

Rechte an eigener Sache.

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dasselbe anerkennenden Rechtsgemeinschast x). Dadurch ist es
von vornherein als ein Moment seines Begriffes bedingt, daß
an den zwingenden Interessen dieser anerkennenden Gemeinschaft
die Individualmacht ihre Grenze finden muß. Wir können da-
nach ganz richtig mit Ihering sagen: „es giebt kein absolutes,
der Rücksicht auf die Gemeinschaft entbundenes Eigenthum".
Als allgemeiner Gang der geschichtlichen Entwickelung wird in
dieser Hinsicht der folgende angezeigt erscheinen. Je vielseitiger
und komplizirter das Gemeinleben wird, je reicher und mannig-
faltiger sich danach die Zwecke eröffnen und gliedern, zu denen
die Sachen im Dienste der GesammtentwickelAng als brauch-
bar und nothwendig erscheinen: desto mehr und stärker wird an
die Rechtsbildung die Anforderung herantreten, die Grenzen der
Individualmacht einzuengen, das Privateigenthum fortgesetzt
weiter vom Typus eines abstrakt-absoluten Rechtes zu entfernen.
Als ein Symptom solchen Ganges der geschichtlichen Ent-
wickelung erscheint schon die weitgehende Ausbildung unseres
modernen Expropriationsrechtes. Man mag dieses letztere im-
merhin, weil die Enteignung im öffentlichen Interesse erfolgt
und nicht im Wege des civilprozessualischen Verfahrens, schul-
mäßig vom Privatrecht loslösen und dem öffentlichen Rechte
einreihen. In der realen Einheit des thatsächlichen Rechtslebens
äußert sich doch die bestimmt bedingte rechtliche Möglichkeit der
Enteignung, die Rothwendigkeit, für gewisse Zwecke vor dem
förmlichen Ausspruch der Staatsgewalt von der Sache weichen
zu müssen, als eine Grenze der privatrechtlichen Macht und als
i) Es ist eine hier nicht näher zu verfolgende Eigenheit K r a u s e 's
und seiner rechtsphilosophischen Schule, sich das Eigenthum als Recht zu
denken auch für das absolut isolirte Individuum und abgesehen von aller
menschlichen Gemeinschaft. Im Uebrigen finden sich hier, nam. schon bei
Krause selbst (System der Rechtsphilosophie, edirt von Röder, 1874,
insbes. S. 267 fg. 285 fg.) mancherlei, der kritischen Berücksichtigung werthe,
anregende Gedanken über das Eigenthum.

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