Full text: Volume (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

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Dr. Gustav Hartmann,

gender Weise im besten Einklänge. Paulus stellt, wie auch
sonst oft in seinen Quästionen*), zuerst eine ratio duditandl
sehr positiv hin. Der ganz richtige Kern in derselben ist: daß,
wenn außer dem nunmehrigen Gläubiger-Eigenthümer keine
andere Personen vorhanden sind, hinsichtlich deren eine beson-
dere Wirksamkeit des Pfandrechtes sich noch äußern könnte, die
Fortdauer desselben allerdings ohne Interesse und Zweck sein
würde.
In der vollen Allgemeinheit, wie Paulus die einwurfs-
weise vorgebrachte These faßte: „neosue enim potest pignus
perseverare domino constituto creditore“, ist sie danach kei-
nenfalls richtig. Und so berichtigt sie denn Paulus, jedenfalls
beziehungsweise, in den Worten: „actio tarnen pigneraticia
competit", insofern im vorausgesetzten Falle ganz offenbar ein
begründetes Interesse für die Fortdauer des Pfandrechts und
des Mittels seiner Sanktion vorlag. Ein nicht minder starkes
zwingendes Interesse würde sich dafür z. B. auch dann ergeben,
wenn hinter der uns bestellten Hypothek einem Anderen eine
Superfizies oder ein ähnliches umfassendes Nutzungsrecht einge-
räumt wäre und wir dann zuletzt etwa durch Vermächtniß oder
Schenkung die nuda proprietas als solche erwarben. Vor die-
sem unserem nackten Eigenthum braucht ja zwar der Superfiziar
nicht zu weichen. Wohl aber liegt in unserer älteren Hypothek
die Bestimmung und Kraft, falls es zur Deckung unserer For-
1) So z. B. insbesondere im fl', mater decedens 19 d. inoff. t.; wo
die Sätze „Itaque dici potest etc.“ und der folgende „sed non est ad-
mittendum etc.“ sich ganz ähnlich einander gegenüberstehen. Vgl. dazu
Hartmann, über die querela inofficiosi testamenti, 1864, S. 14sg. —
Im fr. 30 § l sind nach dem Vorgang des Cujae ins auch schon durch
Francke, civil. Abhandl., 1826 , S. 121 die eingeschobenen Worte ,,ne-
que enim potest pignus perseverare domino constituto creditore“ ganz
richtig charakterisirt worden als „ein von Paulus sich selbst gemachter
Einwurf, den er durch das Folgende hinwegräumt." Aehnlich auch Wind--
s ch ei d, Pand. ed. 4 §. 248 sub 4, insb. Anm. 26.

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