Full text: Volume (Bd. 17 = N.F Bd. 5 (1879))

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Dr. Gustav Hartmanu,

V.
Auf Grund der vorausgehenden Erörterungen wird jetzt
das Römische Quellenmaterial über die Frage nach dem Pfand-
recht an der eigenen Sache einer Betrachtung unterzogen wer-
den können, welche von vornherein ganz frei ist vom alten Bor-
urtheil angeblicher logischer Unvereinbarkeit der Hypothek mit
gleichzeitigem Eigenthumsrecht.
Die interessanteste Erwähnung des Problems findet sich in
dem vielbesprochenen Fragment aus kaulus lib. XIV. quae-
stionum (fr. 30, § 1 d. 6xe. r. j., 44, 2).
Der Voraussetzung nach hat hier Mävius das Eigenthum
einer Sache erworben, an der ihm durch Erbgang schon vor-
längst ohne sein Wissen eine erste Hypothek zustand.- Der In-
haber einer zweiten Hypothek hat ihm, dem Arglosen, das
Pfand siegreich abvindizirt. Es erhebt sich nun die Frage: ob
Mävius, nachdem er inzwischen die Psandurkunde in der Erb-
schaft entdeckt hat, seinerseits dem besitzenden Gegner das Pfand
mit der hypothecaria actio wieder abstreiten kann.
Paulus entscheidet zunächst unzweifelhaft richtig, daß
einer solchen Klage exceptio rei judicatae nicht im Wege stehe,
weil in dem ersten Prozeß „de jure possessoris quaesitum
non est, sed de sola obligatione“. Daran schließen sich die
problematischen Worte an: „in proposita autem quaestione
magis me illud movet, numqaid pignoris jus extinctum
sit dominio adquisito; neque enim potest pignus perseve-
rare domino constituto creditore. Actio tamen pignerati-
cia competit: verum est enim et pignori datum et satis-
factum non esse." Eine ganze Reihe älterer Erklärungsver-
suche dieser Worte sind schon hinlänglich widerlegt worden durch
Bachofen*), dem unser Fragment der eigentliche Angelpunkt

1) Das Römische Pfandrecht, 1847, S. 84 -93.

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