Full text: Volume (Bd. 7 (1865))

Zur Lehre vom Erwerb und Verlust des Besitzes. 91
Endlich was Lenz betrifft, so ist bereits früher seine
neue Theorie auseinandergesetzt worden. Hier will ich nur
noch bemerken, wie sich seine Auffassung der Custodia zu den
früheren Ansichten verhalt. Lenz ist der Erste, welcher die
Custodia als einen allgemeinen Begriff, und als regelmäßige
Voraussetzung des Erwerbes und der Fortsetzung des Besitzes
aufstellt; auch die unmittelbare Gegenwart bei der Sache
ist ihm nur eine Unterart der Custodia. Insofern haben wir
es hier mit einem, wie mir scheint, recht bedeutenden Fort-
schritt zu thun; allein der Fortschritt ist nur von theoretischem
Werth, nicht von practischer Bedeutung; denn an keiner Stelle
erklärt Lenz, welcher Art die Custodia sein müsse; er bemerkt
im Gegentheil wiederholentlich, daß sich allgemeine Regeln
nicht geben lassen^), und ich habe bereits früher gezeigt,
wie gefährlich die Unbestimmtheit der Custodia für Lenz
selbst geworden ist; er hat die „säulenartigen Mobilien" ge-
rade deshalb von der Custodia ausgenommen, weil er von
dieser keinen genauen Begriff hatte.
Das sehe ich als die Aufgabe der nachstehenden Abhand-
lung an, zu zeigen, daß die Römer mit der Custodia einen
ganz concreten Begriff verbunden haben. Es ringen die bis-
herigen Schriftsteller nach einer bestimmten Formulirung des
Wesens der Apprehensio«, denn die Savigny'sche „Mög-
lichkeit eigener und Verhinderung fremder Einwirkung" ist
keineswegs geeignet, im concreten Fall eine Grundlage der
Entscheidung zu bilden. Aber noch ist keine Formulirung,
die zugleich das practische Interesse befriedigte, an die Stelle
der Savigny'schen gesetzt worden; man lehrt demnach, daß
letztere durch die einzelnen Quellenentscheidungen ergänzt wer-
den müssen, indem letztere, wenn auch kein unmittelbares

97) S. 198. 269.

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