Full text: Volume (Bd. 7 (1865))

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Baron,

Häufiger hingegen findet man die Custodia bei Ki erulff.
Aber man findet nur daS Wort, nicht einen einheitlichen Be-
griff; denn er erklärt sie bald als „eine vom Erwerber an-
geordnete Obhut, welche ihm den eigenen Einfluß auf die
Sache und die Ausschließung jedes Dritten sichert" (—darun-
ter versteht er, da er sich auf I. 51 1». t. beruft, die Be-
stellung eines Wächters—), bald das Verhältniß der Sache,
wonach sie „in eine eben so sichere Gewahrsam des Erwerbers
geräth, als wenn sie mit der Hand ergriffen worden wären",
bald als „irgend eine Obhut, welcher die Sache anvertraut
worden"96). In dieser Auffassung liegt unbedingt ein Fort-
schritt gegenüber Savigny; Letzterer kennt auch eine un-
taugliche Custodia, eine Aufbewahrungsanstalt, durch die wir
den Besitz nicht erwerben noch behalten; Kierulff kennt nur
eine taugliche. Trotzdem ist auch die Custodia im Ki erulfs'-
schen Sinne kein praktisch brauchbarer Begriff; denn wann
geräth die Sache in eine ebenso sichere Gewahrsam des Er-
werbers, als wenn sie mit der Hand ergriffen worden wäre?
Diese Beurtheilung dem Richter anheimzustellen, ohne ihm
genaue Principien an die Hand zu geben, scheint mir
nicht gerechtfertigt; es giebt keine Stelle, worin etwa vom
Erwerb und Verlust des Besitzes gesagt würde, was von der
Mora wirklich gesagt wird: difficilis est hujus rei definitio;
Divus quoque Pius Tullio Balbo rescripsit, an mora facta
intelligatur, neque constitutione ulla, neque juris auctorum
quaestione decidi posse96).

95) Civilrecht S. 384. 385. 396.
Z6) 1. 32 pr. de us. 22, 1. Zwar wird als Grund hierfür an-
gegeben, daß die Mora „magis facti quam juris“ sei, und ähnliche
Redeweisen finden sich bekanntlich auch über den Besitz vor; allein
es ist kein Zweifel, daß diese Worte bei dem Besitz in ganz anderm
Sinne gebraucht werden als bei der Mora.

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