Full text: Volume (Bd. 7 (1865))

Kindervater,

L
geschichtliche Bemerkungen über die vom römischen Verkehrs-
leben bei der Versteigerung angewandten Formalitäten vorauS-
schicken.
Schon in früher Zeit hat man in Rom von der Ver-
steigerung bei Kaufverträgen Anwendung gemacht, um durch
eine Concurrenz der Käufer den höchst möglichen Preis für
die feilgebotene Waare zu erhalten. So finden wir die Ver-
steigerung beim Verkauf der Beute, bei der Erecution von
Seiten des Staats gegen seine Bürger wegen Abgaben
u. s. w., und vom Staate übertragen aufis bei Erecutionen
gegen Privatschuldner. Endlich wurden auch die bona damna-
torum et proscriptorum öffentlich meistbietend verkauft. Das
Eigenthümliche war, daß in allen diesen Fällen der Verkauf
im Ganzen geschah, s. g. sectio *) und der Verkauf der einzel-
nen Vermögensstücke, die s. g. auctio*) erst später durch den
s. g. sector erfolgte. Mit der Zeit wurde die öffentliche Ver-
steigerung auch auf anderen Gebieten zur Anwendung gebracht,
daS Wort audio aber blieb bezeichnend für alle öffentlichen
Privatverkäufe1 2 3). Die Formalitäten, welche bei diesem Acte

1) Die alten Grammatiker leiten daS Wort von sequi, sectari
ab, so daß sectores gleich sectatores donorum sind. Eine andere
Ableitung ist von secsre. Hiernach soll der Name sectores daher
rühren, daß die Käufer einer Gütermaffe dieselbe in der Regel
durch Wiederverkauf in kleine Parzellen zerstückelten. Die römischen
sectores würden daher in unfern heutigen „Hvfschlächtern" ein
Analogon finden. Eine dritte Meinung endlich bezieht das Wort
Sectio auf die Prozente, welche in Abzug gebracht werden sollten,
da der Käufer auch die auf einem Vermögen haftenden Schulden
mit übernehmen mußte.
2) reliqua constituta auctione venäebst. 6 i c. pro kose. Am. §. 23.
3) Nach römischem Sprachgebrauchs bildet das Wort -uctio
den Gegensatz zur subbsststio, d. h. dem öffentlichen Verkauf unter Au-
torität des Staats. Daher sagt 6ic. Axr. I, 1, 2: proscribit auctio-
nem publicorum donorum — auctionem populi Komsni proscriptam s

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