Full text: Volume (Bd. 7 (1865))

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Zur Lehre vom Erwerb und Verlust des Besitzes.
handelt, darf doch nicht eine Scala angelegt werden, in welcher
die einzelnen Sachen, jenachdem die Diebe mehr robuste oder
mehr schlaue Leute sein müssen, verschiedne Stufen einnehmen. —
Doch waö Lenz bei dem Besitzerwerbe der Immobilien
und der ihnen gleichgestellten Mobilien mit der einen Hand
nimmt, daö giebt er wenigstens zum Theil mit der andern
Hand zurück. Da er das Bewußtsein von der Sache, und
in Folge dessen die Besichtigung verlangt, so lehrt er noch
immer, eö sei eine gewisse räumliche Nähe des Apprehenden-
te« nothwendig, zwar nicht die unmittelbare Gegenwart (wie
nach Savigny), aber immer doch etwas dem AehnlicheS,
nämlich eine solche Nähe, daß die Grenzen resp. die Sache
selbst überschaut werden können. Ein Stück Corpus, wenn
auch ein sehr verflachtes, häl! er also noch immer für noth-
wendig. Völlig aufgegeben aber ist von ihm das Corpus,
sobald eS sich um die Besitzesfortsetzung handelt; er ver-
wirft die Savigny'sche Reproduction der Möglichkeit, auf
die Sache einzuwirken und Andre davon auszuschließen, und
er zieht es vor, den Willen ganz in dem gemeinen Wortstnn
zu interpretiren, alles körperliche Element, ohne das er doch
im Anfang seiner Abhandlung den Willen nicht denken konnte,
im weiteren Fortgange daraus zu entfernen. „Wo es keiner
besonderen Vorkehrungen für die Verwirklichung unsres Besttz-
willens bedurfte, wo unser Wille an sich zum Erwerb auS-
reichte, da kann der Verlust deS Besitzes gleichfalls nur mit
unsrem Willen cintretcn"21). DaS ist der Ausgangspunkt
von Lenz: ein Trugschluß sonder Gleichen; denn eS kann
doch, nachdem ich meinen Willen auf das Grundstück ge-
richtet, ein Andrer den gleichen Willen annehmen, und wes-
halb der ältere Wille dem jüngeren Vorgehen soll, ist gar nicht

21) S. 238.
VH.

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