Full text: Volume (Bd. 7 (1865))

Bemerkungen zu obiger Entgegnung. 391.
die Wiedergabe der gewöhnlichen, regelmäßigen LicitationS-
bedingungen sein; jeder andere Gesichtspunkt, durch den sie
sich leiten laffcn, der ist in meinen Augen ein verkehrter. Da-
hin zähle ich namentlich den Gesichtspunkt, den die Motive
zum sächsischen Entwurf hinzufügen: die Versteigerung sei als
Form eines Vertrages, nicht als Offerte zu betrachten. Das
ist ein rein doktrinärer Gesichtspunkt, mit dem der Gesetzgeber
nicht zu operiren hat. Er soll praktische NechtSsätze aufstellen
und es der Wiffenschaft überlassen, sie juristisch zu conftruiren7).

Ich will schließlich noch daS Resultat der von mir über
die letztbehandelte Frage bei den oben genannten Sachver-
ständigen eingezogenen Erkundigungen mittheilen.
Der eine derselben bejaht die Frage: ob der Versteigerer
zu dem Vorbietenden zurückgreifcn dürfe, zwar im Princip,
fügt jedoch hinzu, daß er selten oder nie von diesem Rechte
Gebrauch mache, indem er den Grundsatz nicht in der Billig-
keit begründet finde, es sei denn, daß eine darauf bezügliche
Klausel ausdrücklich in die Bedingungen ausgenommen sei.
Ein Anderer erwidert mir Folgendes: „Beim Verkauf
von Mobilien erthcilt in der Regel der Ausrufer dem letzten
oder höchsten Bieter sofort den Zuschlag, insofern er solvent
ist oder Sicherheit beschaffen kann, im entgegen-
gesetzten Fall kann auf den Vorbieter zurückgegriffen werden,
da jeder Bieter bis zum wirklichen Wegschlag des Verkaufs-
Objects an sein Gebot gebunden ist. Will ein Versteigerer
den Zuschlag nicht unmittelbar vom Ausrufer geben lassen,
so- muß er dies vor dem Verkauf bemerken lassen. Bei dem
Verkauf oder der Verpachtung von Immobilien enthalten die
Conditionen in der Regel den Passus: daß jeder Bieter an sein

7) S. meinen Geist des R- R. II S. 399.

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