Full text: Volume (Bd. 7 (1865))

Bemerkungen zu obiger Entgegnung.

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abweichende Ansicht auszusprechen und begründen zu dürfen.
Wenn ich dabei mit meinem Urtheil über den praktischen Werth
seiner Theorie gerade und offen hervorgetreten bin, so wird
das hoffentlich keiner Entschuldigung oder Rechtfertigung be-
dürfen, und die vorstehende Entgegnung (s. insbesondere die
launige Persiflage der Art, wie ich mir angeblich den Her-
gang bei einer Auktion denken soll, auf S. 370) wird zeigen,
daß ich das Recht des unverkümmerten Meinungsausdrucks
meinen Gegnern nicht minder einräume, als ich selber es in
Anspruch nehme.
Die Differenz, um welche eS sich bei Kindervater
und mir handelte, darf ich bei meinen Lesern als bekannt vor-
aussetzen. Während er in der Auktion eine Weise des Con-
trahirens in pergonam incertam erblickt nach Art der
Auslobung, finde ich in ihr nur eine Aufforderung zum
Contrahiren. Seine Ansicht schließt mit Nothwendigkeit zwei
Consequenzen in sich:
1. Der Versteigerer ist verpflichtet, das höchste Gebot an-
zunehmen, denn er hat dem Meistbietenden die Sache
im Voraus zugesichert,
2. ebendarum wird der Minderbietende durch das höhere
Gebot frei.
Beide Sätze halte ich für irrig unb habe aus dem
Grunde die Kindervater'sche Construction des Verhältnisses sel-
ber für eine verfehlte erklärt, außerdem aber ihre theoretische
Möglichkeit noch aus zwei Gründen bestritten, einmal weil
cs bei dem angeblichen Vertrage, den der Steigerer der per-
8ona incerta offerire, an dem pretium certum fehle, und
sodann weil die Form des Contrahirens in pergonam incer-
tam auf gewisse Verhältnisse, zu denen die Auktion nicht
gehöre, beschränkt sei. Hören wir, was Kindervater auf
diese Einwendungen erwidert.

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