Full text: Volume (Bd. 7 (1865))

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Kindervater,

fast zu demselben Resultate gelangen wie Jhering, ohne
dabei der logischen Consequenz der juristischen Construction
irgend etwas zu vergeben.
Ich komme schließlich zum zweiten Punkte, zur Erörterung
der Gefahren, welche dem Versteigerer in Folge des Rechts-
satzes, daß der Vertrag bereits durch Abgabe eines Gebots
perfect wird, drohen sollen.
Jhering führt uns hier als Beispiel namentlich die
Bücherversteigerungen an, in welchen mit Hülfe des von mir
gewonnenen RcchtSsatzcs der Versteigerer durch ein Komplott der
in der Regel nur in geringer Zahl anwesenden Kauflustigen
leicht gezwungen werden könnte, die Sachen für einen Spott-
preis loszuschlagen. Ich mache hier noch einmal- darauf auf-
merksam, daß derartige Verhältnisse eine Ausnahme bilden,
da im Ganzen und Großen der Zweck einer jeden Versteige-
rung, eine möglichst große Anzahl von Kauflustigen herbei-
zuziehen, fast stets erreicht zu werden pflegt. Kommen aber
derartige Verhältnisse vor, wo die Regel zur Ausnahme wird,
so kann der Versteigerer die von Jhering hervorgehobene
Gefahr sehr leicht dadurch beseitigen, daß er in den Licita-
tionsbedingungen bestimmte Preise festsetzt, unter welchen er
die feilgebotenen Sachen nicht verkaufen werde. Außerdem
aber liegt es in der Hand des Versteigerers, die Bekanntmach-
ung der Auetion in der Weise abzufassen, daß dieselbe keine
Offerte, sondern nur eine Proposition zur Stellung von Offer-
ten enthalt, worüber ich das Nähere bereits oben angegeben
habe. Schließlich würde man in solchen Fallen dem Verstei-
gerer auch das Recht auf Neseission des Kaufs wegen über-
mäßiger Verletzung einräumen müssen '^).

16) Tr eit sch ke a. a. O. S. 261.

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