Full text: Volume (Bd. 7 (1865))

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v. Scheurl,

Zeit wenigstens Zinsverabredungen unter Abwesenden, die ihnen
also die Stipulationsform nicht leicht geben konnten, im bür-
gerlichen Verkehr ebenso als wahre, ernstliche, wirklich verpflich-
tende und berechtigende Geschäfte angesehen wurden, wie die
mit Sklaven eingegangcnen Contrakte. So liegt für mich
in der Behandlung der Zinsobligation aus einem imänm
xsetum als einer wahren Naturalobligation nichts Verwun-
derliches.
Und ebenso bestärkt mich meine gegenwärtige Auffassung
der Naturalobligationen in der schon früher von mir ausge-
sprochenen Vermuthung, daß darunter auch die stipulationes
post mortem gehörten, deren Erhebung durch Justini an
zu vollgültigen Obligationen gewissermaßen ein Beweis dafür
ist, daß sie schon im klassischen Recht den Trieb in sich
trugen, als klagbare Obligationen anerkannt zu werden, und
daß es also nur eine naturgemäße Vorstufe ihrer schließ-
lichen Entwicklung war, wenn sie bereits in alter Zeit als
naturales obligationes behandelt wurden. Daß wir kein
ausdrückliches direktes Zeugniß dafür besitzen, ist, insofern
ein solches sonst in den Pandekten erwartet werden könnte,
sehr erklärlich gerade deshalb, weil Justini an ihre Rechts-
ungültigkeit aufgehoben hatte.
Alles Bisherige sollte meiner Absicht nach nur Skizze
einer neuen Lehre von der Naturalobligation sein, und mein
Zweck, zu dem ich sie entwarf, war hauptsächlich der, daran
die Beantwortung der Frage zu knüpfen, wozu kann uns nun
für unser heutiges Rechtsleben dieses römische Rechts-
institut dienen?
Dafür ergiebt sich mir nun zunächst ein negatives
Resultat. Es darf nicht als zur Vollkommenheit des Rechts
gehörig betrachtet werden, daß es Obligationen enthalte,
welche Mitteldinge zwischen klagbaren und nichtigen Obliga-

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