Full text: Volume (Bd. 7 (1865))

Die römischen Naturalobligationen.

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sie nur recht verstanden wird, bin ich noch der Ueberzeu-
gung, welche ich in meiner Recension eines Theils von
Savigny's Obligationenrecht in der Heidelberger krit. Zeit-
schrift Bd. 1 S. 514 fg. ausgeführt habe. Dagegen bin
ich jetzt über den Umfang ihrer Anwendbarkeit und ihre Be-
deutung für die Lehre von der naturalis obligatio über-
haupt anderer Ansicht. Ich halte sie nur noch für anwendbar
auf das Edict über dasjus iniquum und das decretum D.
Marci, keineswegs aber auf die Prozeßverjährung, bei welcher
mir nun die Naturalobligation ganz den ursprünglichen Charak-
ter zu haben scheint. Eben so wenig vermag ich ihr jetzt noch
ein Gewicht für die Streitfrage über die Wirkung der Klagen-
verjährung beizulegen. Ihre wahre Bedeutung finde ich jetzt
lediglich darin, daß sie den Grund für die Gleichstellung der
unechten Naturalobligationen mit den echten, ursprünglichen
richtig ausdrückt.
Es springt wohl von selbst in die Augen, wie von der
im Vorstehenden entwickelten Auffassung der römischen Natu-
ralobligationen aus einige Streitfragen, welche in der Lehre
von denselben noch immer als keineswegs erledigt gelten kön-
nen, ein ganz anderes Ansehen gewinnen.
Eine dieser Streitfragen ist die, ob das nudum pactum
an sich eine naturalis obligatio bewirkt habe; eine Streit-
frage von nicht blos geschichtlicher, sondern auch praktischer
Bedeutung, insofern ihre Bejahung in Verbindung mit der
herrschenden Auffassung der naturalis obligatio zu der An-
nahme führt, daß, wo heutige Gesetze für gewisse obligatorische
Verträge eine besondere Form als Bedingung ihrer Klagbarkeit
vorschreiben, die Nichtbeobachtung der Form die römischen
Rechtssätze über die Naturalobligationen anwendbar machen.
Nach der gewöhnlichen Ansicht besieht eine tantum na-
turalis obligatio da, wo naturali ratione oder nach der

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