Full text: Volume (Bd. 7 (1865))

Die römischen Naturalobligationen.

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bare Obligation bezeichnet werden soll, wie dies Schwa-
nert S. 70 ff. seines Buches über die Naturalobligationen
sehr gut nachgewiesen hat.
Die Absicht des 86. Usveäonisnum war nämlich nur
darauf gerichtet, zu verhüten, einmal daß der Darlehensge-
ber keinen Druck auf den ülinslamilias auszuüben vermöge,
dessen Besorgniß diesen bestimmen könnte, den Tod seines
Vaters zu wünschen, und zweitens daß auch dem Darlehens-
geber selbst der Tod des Vaters keinen Vortheil bringen könne.
Deshalb mußte er weder bei Lebzeiten, noch nach dem Tode
deS Vaters den Darlehensempfänger zur Rückzahlung drängen
können; dieser mußte jederzeit berechtigt sein, die Zahlungs-
forderung des Darlehensgebers zurückzuweisen. Keineswegs aber
war es Absicht des Gesetzes, Miikamilias völlig creditlos zu
machen, oder auch nur Gelddarlehensgeschäfte mit ihnen ab-
solut zu verhindern. DieS wäre jedoch der Fall gewesen,
wenn nicht einmal die freiwillige Rückerstattung deS Darle-
hens als unwiderrufliche Zahlung behandelt worden, wenn
auch Verbürgung oder Pfandgebung dafür schlechthin ungül-
tig gewesen wäre. Die Behandlung der obligatio als na-
turalis obligatio machte es möglich, daß gerade in unbedenk-
lichen Fällen, in Fällen wirklichen Bedürfnisses auch einem
filiusfamilias mit Sicherheit Geld dargeliehen werden konnte,
daß also die Wirkungen des Gesetzes nicht über seinen eigent-
lichen Zweck Hinausgiengen.
Es wird nun einleuchten, in welchem Sinne ich die obli-
gatio aus einem »om SC. Macedonianum gemißbilligten Geld-
darlehen eine unechte Naturalobligation nenne. Ich glaube,
daß sie sich auch als eine solche durch ihre Unfähigkeit, com-
pensationsweise geltend gemacht zu werden, erweist. Denn
ich halte es keineswegs für zufällig, daß sich davon in den
Quellen keine Spur findet. Es scheint mir vielmehr, daß
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