Full text: Volume (Bd. 7 (1865))

Die römischen Naturalobligationen. 331
bindlichkeit zu dieser nach der in der bürgerlichen Gesellschaft
herrschenden Anschauung wirklich bestand.
Der Patron zahlte seinem Freigelassenen eine Geldsumme,
die sein Vormund für ihn von demselben auS dessen Peculium,
da er noch fein Sklave war, darlehensweise empfangen hatte, mit
der Erklärung, damit eine Schuld an ihn abtragen zu wollen.
Nachher wollte er diese Summe von dem Empfänger wieder
zurück haben, weil er nicht verbunden gewesen sei, sie ihm
zu zahlen. Derselbe entgegnete: Du hast ja selbst anerkannt,
sie mir schuldig zu sein. Allerdings, erwiederte der Patron,
aber nur weil ich irrigerweise auf Deine Versicherung hin ge-
glaubt hatte, Du habest diese Summe erst nach Deiner Frei-
lassung meinem Vormund für mich darlehensweise gegeben ; ich
kann jetzt beweisen, daß sie mein Vormund für mich schon,
als Du noch Sklave wärest, von Dir empfangen hatte.
„Das hält Jedermann im gemeinen Leben für eine wirkliche
Schuld, die hieraus für Dich mir gegenüber erwachsen ist,"
konnte der Freigelassene antworten; „Deine Anerkennung muß
mir zu gute kommen, ungeachtet des dabei im Spiel gewe-
senen JrrthumS. Deine Verbindlichkeit mag keine rechtliche
im juristischen Sinn des Worts gewesen sein, aber sie war
anerkennbar; ihre Anerkennung von Deiner Seite hat Deiner
Zahlung für mich die rechtliche Bedeutung einer Zahlung ge-
geben."
Fidejussio, novatio, constitutum, Verpfändung: alle
diese Rechtsgeschäfte enthalten wesentlich die freiwillige An-
erkennung einer bestehenden Verbindlichkeit als einer recht-
lichen, ohne den Willen, sie erst zu schaffen, lediglich viel-
mehr beruhend auf der Voraussetzung, daß sie wirklich be-
stehe. Besteht sie also überall nicht, so entbehren jene Rechts-
geschäfte nothwendig aller Wirksamkeit. Aber das Recht kann
bestimmen, daß eine „wirkliche," eine naturale Verbindlichkeit,

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