Full text: Volume (Bd. 7 (1865))

Die römischen Naturalobligationen.

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gatio als eine vors, die naturalis obligatio blos als eine
uneigentliche, als eine quasiobligatio anerkenne. Am deut-
lichsten sagt das derselbe Ulpian in L. 41 de peculio
(15, 1):
Nec servus quidquam debere potest, nec servo potest
deberi. Sed quum eo verbo abutimur, factum
potius demonstramus, quam ad jus civile referimus
Obligationem.
Während nun aber diese Quellenstelle, auch wenn ihr nicht
andere ähnliche zur Seite stünden, welche ich hier übergehe,
bei scharfer Beachtung zu überzeugen geeignet ist, daß die
römische Jurisprudenz niemals in der Naturalobligation die
Darstellung des reinen Rechtsbegriffs der obligatio gefunden
hat, haben freilich andererseits die römischen Juristen dadurch
selbst dieser von mir jetzt bekämpften Auffassung der Natural-
obligation Vorschub geleistet, daß sie echte und unechte Na-
turalobligationen, ohne Bemerkung des Unterschieds zwischen
denselben, zusammengestellt, ich möchte sagen mit einander
zusammengeworfen haben, nämlich einmal Obligationen, aus
welchen nicht geklagt werden kann, weil sie keine wahren
Obligationen sind, weil sie im Auge des Rechts von jeher
ein bloses Scheindasein gehabt, oder jetzt nur noch ein solches
haben, und dann Obligationen, welche nur darum keine
wahren Obligationen sind, oder es zu sein aufgehört haben,
weil in bestimmter Weise die Klage daraus versagt wird,
oder verloren gegangen ist. In der That ist dieser Unter-
schied in den Fällen der letzteren Art, welche wir in den Quel-
len mit den echten Naturalobligationen zusammengestellt finden,
ohne praktischen Werth; dies erklärt und rechtfertigt seine
Außerachtlassung von Seiten der römischen Juristen. Aber
er ist in theoretischer Beziehung von großer Bedeutung, wie
ich dies nun zeigen will.

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