Full text: Volume (Bd. 7 (1865))

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v. Scheurl,

endum est pro quacunque obligatione . . . vel pro
civili obligatione, vel honoraria, vel tantum natu-
rali) u. a.
entgegenhalten, auS welchen sich deutlich ergebe, daß selbst
schon ältere klassische Juristen die naturalis obligatio nur
als eine besondere species der obligatio überhaupt behandeln,
und eben dadurch sich zu einem Begriff der obligatio beken-
nen, zu dessen Merkmalen die Klagbarkeit nicht gehöre. Ich
kann aber diese Argumentation nicht richtiger finden, als es
die wäre, mittelst welcher man etwa beweisen wollte, ein
Jurist, der sage, in Beziehung auf gewisse Wirkungen stehe
die Putativehe der rechtsgültig geschlossenen Ehe gleich, be-
kenne sich dadurch zu einem Rcchtsbegriff der Ehe, welcher
die Rechtsgültigkcit nicht unter seinen Merkmalen begreife.
Jene Stellen scheinen mir keinen andern Sinn zu haben,
als den, daß unter das genus persönlicher Rechtsverhältnisse,
welche die Form von Obligationen haben, die civilis obli-
gatio und die naturalis obligatio als coordinirte SpecieS
gehören. Als eine Art von Obligation, als obligationen-
ähnliches Berhältniß, als Quasi-Obligation wird die natu-
ralis obligatio von den römischen Juristen anerkannt: daS
kann kein vernünftiger Mensch bestreiten. Aber ob sie alö
vera obligatio von ihnen betrachtet werde, als ein dem
Rechtsbegriff der Obligation wirklich entsprechendes Berhält-
niß, das ist die Frage, für deren Bejahung man sich auf
jene Stellen gewiß nicht berufen kann. Wenn dagegen z. B.
Ulpian in der bekannten L. 14 D. de obl. et act, 44, 7
sich so ausdrückt: 8ervi ex delictis quidem obligantur, et
si manumittantur, obligati remanent; ex contractibus
autem civiliter quidem non obligantur, sed naturaliter
et obligantur et obligant, so wird sich kaum verkennen
lassen, daß er mit dieser Ausdrucksweise nur die civilis obli-

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