Full text: Volume (Bd. 7 (1865))

Grundzüge deS WafferrechtS nach gemeinem Rechte. 307
fließen. In diesem Sinne kann man von Privatgewäffern
sprechen, obgleich sie der Landespolizei unterworfen bleiben.
Rechtstitel für solches Eigenthum geben ab: Verleihung oder
Konzession, und Besitz (Gebrauch). Das Wasser selbst ist hin-
sichtlich des Gebrauchs gemeinschaftlich, und nach den
Grundsätzen von der unthcilbaren oommunio ist Niemand
berechtigt, den übrigen Betheiligten die Mitbenutzung zu
schmälern oder zu entziehen. — Es bedarf wohl keiner nähe-
ren Auseinandersetzung, daß auch diese Theorie an Unklarheit,
Unbestimmtheit und mancherlei Widerspruch leidet.
Der Ansicht, welche Gersterding aufstellt und die
auf ein unbeschränktes Eigenthum des angrenzenden Grund-
stücksbesitzers hinausläuft, liegt hauptsächlich eine mißverständ-
liche Auffassung der üurn. publica und privato des römischen
Rechts zu Grunde. Er sucht sie weiter zu begründen durch
Bezugnahme auf I. 21 v. 39, 3 („venas fontis incidere"),
und o. 10 Cod. 3, 34 („continere aquam dominus fundi
non prohibetur“ 303)), ferner eine Vergleichung des Was-
sers mit der Luft (Niemand könne verlangen, daß der Nach-
bar den Luftzug nicht hemme), endlich durch die Schlußfol-
gerung, weil der Prätor nur in Ansehung der Flüsse die
Interdicte in D. 43, 12 und 13 gegeben habe, müßten in Be-
treff der Bäche die EigenthumSklagen und bezüglichen Inter-
dicte in Anwendung kommen. Nun geräth aber Gerster-
ding bald mit sich selbst dadurch in Widerspruch, daß er
später bei Bächen den Grundsatz der Alluvion vertheidigt;
im Uebrigen erscheint obige Deduction unhaltbar, weil die
Begründung derselben durch Rechtssätze, die Quellwasser
betreffen, unstatthaft ist, weil ferner die Luft niemals und
auf keine Weife dem Andern ganz entzogen werden kann,

303) Dagegen c. 1 Cod. 7, 41.
VII.

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