Full text: Volume (Bd. 7 (1865))

250

Hesse,

auf ein Zeitverhältniß gestattet werde, das Abfließen des auf
seinem Grund und Boden entsprungenen Wassers zu verhin-
dern. Allein dabei hat Funke übersehen, daß in der einen
Stelle ausdrücklich gesagt wird, quae nullo jure ad te
defluebant151), ein jus auf das Wasser kann aber nach mei-
ner Ansicht eben (abgesehen von Verträgen und Servituten)
durch den herkömmlichen usas desselben (consuetudo) erwor-
ben werden. In Betreff der zweiten Stelle erhellt ja klar,
daß der Kläger sich nicht auf ein Gewohnheitsrecht, sondern
auf den Erwerb einer wirklichen Servitut berufen, daß er das
Wasser aus der aqua profluens über des Beklagten Grund-
stück geleitet, aber in der letzteren Zeit von seinem angeb-
lichen Rechte keinen Gebrauch gemacht, und daß deshalb
wahrscheinlich der Beklagte die Einrede des Verlusts durch
non usus vorgeschützt hat. Ein Gewohnheitsrecht stand also
gar nicht in Frage und es schließt darum die kaiserliche Ent-
scheidung die Möglichkeit eines solchen nicht aus15^).
tz. 13.
IX. Gemeingebrauch der Flüsse und Bäche und Sonder-
rechte.
A. Gemeingebrauch.
Die Grundsätze vom Gemeingebrauch der Flüsse und
Bäche nach römischem Rechte zu entwickeln, hat darum einige
Schwierigkeit, weil wir in diesem Punkte jene feine und vol-
151) I. 2 §. 13 v. 43. 8.
152) Daß die von mir vertheidigte Ansicht in der Praxis auch
früher schon herrschend gewesen ist, scheint mir aus den älteren (na-
mentlich den sächsischen) Proceßordnungen hervorzugehen, welche den
Jnhibitivprozeß unter Anderen gestatten, „wenn Jemand mit Wasser-
brunnen oder Wafserläuften wider alt Herkommen Neuerun-
gen gemacht hat. Vergl. Urtheil deö O.-A.-G. Dresden im Wo-
chenblatt f. merkw. Rechtes. 1847 S. 268.

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