Full text: Volume (Bd. 7 (1865))

Grundzüge deS Wafferrechts nach gemeinem Rechte. 243
§. 12.
Wir kommen zu der Frage, unter welchen Bedin-
gungen die Besitzer der tiefer gelegenen Grund-
stücke, welche abfließendes Quellwasser ausge-
nommen und auch für ihre Privatzwecke benutzt
haben, ein Recht auf diesen Gebrauch des Was-
sers erlangen?
Hier ist zunächst zu unterscheiden, ob der Abfluß ein üurnen
publicum bildet, oder ob er unter den Gesichtspunkt eines
Privatwassers fallt. Im ersten Falle ist die Frage nach den
vom Humen publicum geltenden Rechtssätzen zu beantworten.
In Betreff des zweiten Falles gehen die Ansichten der Rechts-
lehrer und Gerichtshöfe sehr auseinander. Meine Ansicht ist
folgende. Daß der Eigenthümer der Quelle im Allgemeinen
befugt ist, den Abfluß zurückzuhalten, in seinen Nutzen zu
verwenden, nach anderer Richtung abzuleiten, ist unzweifel-
haft. Eine Beschränkung dieses Rechts kann jedoch eintre-
ten: 1) durch Vertrag, oder Erwerbung einer Servitut
Seiten der unteren Grundstücksbesitzer. L. 10 Cod. 3, 34:
„Si tibi servitutem aquae ducendae deberi praeses ani-
madverterit, nec hanc te non utentem spatio temporis
amisisse perspexerit, uti te iterum jure proprio provi-
debit. Nam si hoc minime probetur, loco proprio facto
opere dominus fundi continere aquam et facere, quo-
minus ager tuus irrigari possit, non prohibetur140).
Diese Stelle versiehe ich so, daß die Wasserleitung nicht
unmittelbar aus dem Quell14'), sondern auö dessen Abfluß,
140) L. 2 §. 13 D. 43, 8: „8i quid in loco publico aedificavero,
ut ea, quae ex meo ad te nullo jure defluebant, desinant fluere,
interdicto me non teneri.“
141) Hätte die Wasserleitung aus dem Quell selbst auf fremdem
Grundstücke stattgefunden, so wäre doch die Rechtsfrage zu einfach
gewesen, um ein kaiserlich Rescript hervorzurufen.
VH.

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