Full text: Volume (Bd. 7 (1865))

Hesse.

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ist, dessen Interesse verletzt wird, und in so weit Rechte
Dritter nicht verletzt werden, kann auch der Eigenthümer den
Wasserlauf ändern, das Wasser wieder zurückhalten u. s. w.
Auch für diese Sätze können wir keine ausdrücklichen Gesetze
anführen m), aber sie ergeben sich aus der Natur der Sache;
denn wenn ein Humen publicum jedes Gewässer ist, rzuock
perenne tluit, so sieht man keinen Grund ab, warum es
auf dem Grundstück deö Quellenbesitzers mit einem Male diese
Qualität verlieren soll. Und wollte man dem Quelleninha-
ber ein unbeschränktes Verfügungsrecht als Eigenthümer ein-
räümen, so wäre es möglich, daß vielen kleinen Bächen,
die für Gemeinden und Mühlcnbesitzer unentbehrlich sind, die
Lebensader dadurch abgeschnitten würde, daß die Besitzer der
Quellengrundstücke die Quellen in Teiche ableiteten, oder auf
andere Weise ihren bisherigen Ablauf zerstörten.
Daß hier der Besitzer deö niedriger gelegenen Grund-
stücks den Ablauf dulden muß, versteht sich ebenfalls von
selber, denn sobald der Abfluß sich ein Bett geschaffen, gilt
dies als öffentlich und der betreffende Grund und Boden ist
seinem Eigenthum eo ipso entzogen 132).

131) Indirekt können c. 6. 7. 10 Cod. 3, 34 benutzt werden.
Vergl. §. 12 unten.
132) Vergl. §. 3 oben. — Bemerkenswerth ist die Glosse zum
sächs. Landrecht c. 71 bei Zobel: „Wäre ein Spring eines Brun-
nens auf einem Acker ; des Ackers Herr hätte den Spxing und den
Fluß des Springs in seinem Acker und möchte ihn fassen auf dem
Acker und dazu aufteichen. Vor Schaden soll er aber bewahren
seinen Nachbar l. 1 D. 43, 4. Wo aber das Wasser seinen Gang
hingewinnt, und seinen natürlichen Fluß, den soll man nicht weh-
ren. Wer ihm aber einen neuen Weg macht, der soll leiden solche
Pön u. s. w. I. 1. Cod. 9, 38. Wenn aber das Wasser von dem
meinen kommt, so ist cs nimmer mein, wiewohl daß der Ursprung
des Wassers mein ist."

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