Full text: Volume (Bd. 7 (1865))

Grundzüge des Wafferrechts nach gemeinem Rechte. 237
stand fällt um so schwerer in die Wagschaale, als die röm.
Juristen die Entwickelung der Rechtssätze meist an bestimmte
Klagen anknüpfen. Wir finden ferner eine Bestätigung dieses
RechtSsatzes in I. 1 §. 2 D. 39, 3: „opus, quod quis fecit,
ut aquam excluderet, quae exudante palude in agrum
ejus refluere solet, si ea palus aqua pluvia amplia-
tur, eaque aqua repulsa eo opere agris vicini noceat,
aquae pluviae actione cogitur tollere.“ ES ergiebt fich
hieraus, daß Vorkehrungen zum Schutz gegen übertretendes
Sumpfwasser erst dann Gegenstand der Klage werden, wenn
bei der Anschwellung des Sumpfes durch Regenwasser dem
Abflüsse eine für andere Nachbarn nachtheilige Richtung ge-
geben wird. Ist diese Voraussetzung vorhanden, dann sind
Vorkehrungen erlaubt, um den Uebertritt oder Eintritt des
Sumpfwassers in unser Grundstück abzuwehren.
Hat sich aber abfließendes Quellwasser ein natürliches
bestimmtes Gerinne (rivus) gebildetm), so ist bei der
rechtlichen Beurtheilung desselben darauf zu sehen, ob dasselbe
gleich von der Quelle ab so stark fließt, daß eS einen
Bach (oder Fluß) bildet, und ob es freien Lauf behält, oder
ob dies nicht der Fall ist. Im erstem Falle ist das ablau-
fende Quellwasser als öffentlich zu betrachten. Die Rö-
mer verstehen unter flumen publicum jedes fließende Gewässer,
das perenne ist und in Bett und Ufern fließt 128). Wie weit
bis zur Quelle aufwärts ein Gewässer öffentlich sei, wird

127) Endemann a. a. O- S. 11, 12: „es läge nahe, die
öffentliche Qualität hier ebensowohl erst von dem Punkte an zu
datiren. von dem an eine Benutzung der Wasserkraft möglich. —
Alles dies wäre einfach und klar, wenn man von der Idee der
Gemeingehörigkeit (soll'heißen: Gemeingebrauch) des Wassers aus-
ginge."
128) Vergl. §. 1 u. 2 oben.

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